Gestern

Kleinödnis, um den Finger gewickelt

Auf schrindigen Fingerkuppen die Wochentage balanciert, stets den Mittwochabend im Visier. Zwischen Daumen und Zeigefinger entscheidet sich die Reihenfolge alle paar Sekunden neu. Frisch gezüchtete Nagelplättchen erleichtern das Erfüllen der selbst gestellten Aufgabe, sorgen zugleich aber für eine wenn auch subtil so doch hörbar unangenehme Geräuschkulisse, Schellack auf Zeit. In stürmischen Zeiten fällt das Wochenende ganz aus, folgt auf den Diens- ein Donnerstag.

Verängstigten Regennachmittagen die Schulter geboten und heißen Kakao, Vollmilch ohne Sahne, gereicht. Den Hunger an die Leine genommen und die Stille mit Schlürfen getröstet. Die sich gegen meinen Willen stets aufs Neue bildenden Hautschichten mit routiniertem Ekel von der Oberfläche geschürft und mangels weiterer Behältnisse im glücklicherweise großzügig bemessenen Laffen des hierzu verwendeten Löffels gestapelt. Zuvor auf seine blankgeleckte Rückseite lüsterne Schattenrisse geworfen.

Schließlich den Rasensprenger für den Winterschlaf eingekleidet, den Strumpfhosen vom letzten Jahr wenigstens die unvorteilhaftesten Löcher gestopft. In Erwartung der künstlicher Wärme bedürftigen Wintermonate, den Rußpartikeln vorsorglich die Landeflächen auf Bücherrücken und furnierten Möbelkanten frisch aufpoliert. Die Sonnenbrille auf die Straße gesetzt und dem damit vorerst arbeitslos gewordenen Nasenrücken eine Wohlfühlmassage verabreicht, die unwillkürlich bis über beide Ohren ausstrahlte und selbst die Stirnfalten nicht unberührt ließ.

11 Gedanken zu „Kleinödnis, um den Finger gewickelt“

  1. Benjamin B. sagt:

    Ein Frösteln in meinem Nacken, eine Spur Entsetzen kriecht über meine Haut, frisst sich tief in meine Hirnrinde, wo Worte wie schmelzender Schnee krustenartig am Strassenrande liegen bleiben. Regen fällt daraufhin, ein klammes Gefühl bleibt zurück, ich erinnere mich nicht mehr an den Pfuhl, dem die Furcht entsprungen ist.

  2. kopffuessler sagt:

    Liebe Frau Stella, ja, das muss man. Glücklicherweise haben Sie ja das beste aller Monster an Ihrer Seite, das nicht nur ihr Haus zum Strahlen bringt. (Den Trick mit der Alufolie leih ich mir gern mal aus)

  3. kopffuessler sagt:

    Lieber Benjamin, nicht frieren, bitte. Das tu ich bereits mehr als ausreichend. Ein Paar Schritte dem nächsten Passat entgegen und schon flieht alles Entsetzen in den nächsten Schatten, nur Mut!

  4. mq sagt:

    Draußen nur Kännchen unter dem Heizpilz.

  5. Benjamin B. sagt:

    Passat? Heisser Wüstenwind, der die Kälte erstickt und nichts als Caipirinhas zurück lässt?
    Klingt gut, doch blicke ich nach draussen, seh’ ich die ersten Schneeflocken mit nächtlichem Frost anbandeln. ‘Schnee bis in die Niederungen’ morgen. Ein heisser Punsch unter die laufende Nase, statt morgens um sieben aus dem Haus. Bloss ein fahler, zerbrechlicher Wunsch.

  6. kopffuessler sagt:

    I don’t like Heizpilz’s not even in november, I am sorry, mq. Mein Kännchen aber führe ich seit diesem Monat stets mit mir.

  7. kopffuessler sagt:

    Das ist dieses Übel mit der Realität, die sich einfach nicht an unsere Wunschvorstellungen halten mag, ich weiß ja. Aber das nächste Wochenende ermöglicht vielleicht ja doch ein späteres Augenaufschlagen samt Punschduft?

  8. Benjamin B. sagt:

    Ein späteres Er- und Aufwachen gewiss, doch das mit dem Punschduft in der Nase… Nun, bei den allwöchentlichen Weihnachtsmärkten sollte dies kein Problem sein. Doch möcht’ ich den Punsch ans Bett geliefert bekommen, müsst’ ich mir noch jemanden suchen, der dies für mich tut…

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