Gerede

Palomas Beautycase

Mittlerweile ist Heinz berentet, an einem seiner letzten Tage hat er mir gestanden, dass er mich vermissen würde und ich versprach, an seinem letzten Tag da zu sein.
Meine Gesundheit kam mir dazwischen und so konnte ich ihn zum Abschied nicht umarmen, wie er es sich gewünscht hatte. Unter verlegenem Kichern und der Versicherung, es wäre niemals nicht anzüglich gemeint. Das sei nicht sein Stil.
Ich hätte ihn gern umarmt.
Heute wird er wieder Preise eingeheimst haben für seine Models. Er hat mir noch ein paar Tricks verraten. Wie man sie frisieren muss, um ihr Federkleid erstrahlen zu lassen, um die unterschiedenen Grautöne herauszuarbeiten. Den Schimmer erreicht man nur mit entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln im Bereich Vitamine und Minerale.

Wie beim Bodybuilder wird die Nahrung entsprechend dem Showkalender variiert, so dass der Mädels Federn sich glatt glänzend um ihren Leib schmiegen. Die Jury prüft nicht nur mit den Augen nämlich, die legt auch schon mal Hand an und trotzdem bleibt der erste Blick entscheidend. Daher ist es wichtig, dass die sie sich von ihrer besten Seite präsentieren, nicht etwa aufgeplusterten Hinterns sondern, diskreten Charme ausstrahlend, aufrecht und gelassen.

Beruhigungsmittel gebe er ihnen aber nicht, versichert Heinz mir hastig. Auch keinen Alkohol. Ich hake nach, und er führt aus, dass es wie bei allen Models, auch bei seinen ums Bein geht. Das muss nun nicht unbedingt besonders lang sein, schlank ist aber kein Nachteil. Aber allem voran muss es rot glänzen. Und das erreiche man bekanntermaßen mit Alkoholeinreibungen. Er staunt ob meines Unwissens. Ich wage nicht nach Branntwein zu fragen und er fährt fort, dass er diesen Effekt mittels Öl erreiche. Normales Salatöl, lieber Sonnenblumen als Oliven.

Gelage

Shanti aus dem Gulli

In letzter Zeit isst er häufiger Obst, und sogar Gemüse.
Trotzdem hat er mehr Geld als sonst.
Er geht immer dann aus dem Haus wenn der Laden um die Ecke gerade zugemacht hat, manchmal wundere ich mich darüber. Aber da er es jeden Montag und Donnerstag tut, bleibt das Wundern immer öfter aus. Er nimmt seinen größten Rucksack mit, leer, und manchmal kommt er noch mal zurück weil er die Taschenlampe vergessen hat.
Er duscht auch montags und donnerstags.
Und er leert unsern Müll. Das hätte ich nie gedacht.

Sie hat staubige Füße als sie zurückkommt. Nachts, so gegen drei. Dabei regnet es draußen. Sie murmelt was von Kaiserdenkmal und Stützgewölbe und riecht dabei eindeutig nach Christkindl-Glühwein. Sie zeichnet Sohlen in den Staub auf ihren Schuhen und nennt sie Gerlinde. Und Horst
Sie lächelt.

Salamander habe früher allen seinen Schuhen Namen gegeben, wird er plötzlich wach.
Er habe mit neun Herbert tragen müssen, dabei hätte er viel lieber Jens getragen. Und er möge überhaupt kein Nutella.
Er hat schon wieder die Handschuhe zwischen den Fingern.
Die blassblauen labbrigen Spülteile.

Nächstes Mal spare sie sich das Absteigen und flöge stattdessen eine Runde Ketten, lacht sie in die Stille. Das gäbe es da nämlich mit einem Eisbein in Zuckerwatte. Aber er lacht nicht. Lächelt nichteinmal. Gebrannte Mandeln, lockt sie weiter, Apfelpunschrauschen und Eisschollenlaufen.
Ohne Erfolg.

Kaiser Wilhelm wurde mal eben umgedacht, das Schloss besteht nur aus Pool und Bratwurst.
Dem Palast liegt ein kreischender Weihnachtsmarkt zu Füßen.
Und unter dessen Sohlen beleuchten Teelichter zarte Stalaktiten.
Eine halbe Straße weiter nur steht der Container.