Gegenwart

Nächste Seite See

 

Es war einmal… ein schüchterner See, der nur dann und wann an die Oberfläche kam und auch dann nur leise. Der lieber Spiegel war als Bild, lieber Boden als Spielwiese, der das Wetter nahm, wie es war, und doch auch den schärfsten Blitz zu zähmen und den einsamsten Menschen sich umarmt zu fühlen lassen vermochte.

Der Himmel wagte nicht zu atmen, hielt Abstand und seine Wolken an, den See nicht mal in Gedanken zu touchieren, man ahnt wie schwer es ihnen fiel, wie sie im Halbdunkel die Ufer entlangstrichen, den Horizont immer wieder heimlich näherrückten, und im Morgengrauen die Tautropfen um ihre Berührungspunkte neideten.

Als eines Tages die Farben ihre letzten Urlaubstage abbummelten und die Bäume frühmorgens noch unbekleidet ihre Grounding-Übungen absolvierten, bezirzten sie die Atmosphäre kurz alle Schwerkraft und Thermik außer Kraft zu setzen und dem See eine Wunde zuzufügen, die nur sie wieder heilen könnten, seine Schüchternheit gleich mit, und versanken selbst noch ehe die Umarmung vollbracht.

Geliebte, Stadtrand

Unter Hochdruck

Für B.

Einer kann nur unter Druck
Einer bringt sich erstmal in Form
Einer tanzt auf der Stelle
Einer bleibt lieber allein.

Einer steht gern am Anfang
Einer sitzt vor dem Punkt
Einer lugt lässig aus der Wäsche
Einer lehnt sich lieber an.

Einer versucht es kursiv
Einer trägt nichts als schwarz
Einer mag sich in Farbe
Einer steht zwischen zwei Silben.

Einer kommt mit Familie
Einer frisch vom Klischee
Einer weiß wie er aussieht
Einer liest sich am besten blind.