Gegenwart

Free your moments, Cinema!

Where is my John Wayne?
Where is my prairie son?
Where is my happy ending?
Where have all the Cowboys gone?
– Paula Cole, Where have all the Cowboy gone

Wenn im Kino das Licht ausgeht, beginnt, was du Film nennst, und ich Flucht. Auf der Leinwand sammeln sich Ungeborene & Ausgedachte, Verschworene & Versäumte, Zukünftige & Zugereiste, werden Schatten zu Licht und Licht zu Gestalten, die, den Titel am Revers, die Totale stürmen und der ersten Reihe im Vorspann noch die Autogrammkarten signieren.

Wenn im Kino das Licht ausgeht, lehnst du dich vor und ich zurück, alles zu verpassen, was nicht von der Rolle, was nicht im Abspann, was nicht Zähne klappern, Tränen tropfen und Träume, wenn schon nicht wahr, so doch wenigstens schön werden lässt für x-mal 24 Bilder. Zu verpassen, was nicht auf Effekt gebürstet und die Haare im Wind.

Wenn im Kino das Licht angeht aber, hält die Phantasie die Füße still und der Realität galant die Türe auf, im Bauchladen Wochentage, zumeist fünf an der Zahl, und ein langes Wochenende. Auf der Einladung steht was von Happy Ending und Directors Cut und während der Projektor noch eine Extrarunde für den goldenen Löwen ausgibt, findet sich an der Bar mindestens einer, der mitspielt.

 

Das Free Cinema e.V. ist ein gemeinnütziger Verein zur kulturellen Jugendbildung der ausschließlich aus ehrenamtlich tätigen Jugendlichen zwischen 15 und 21 Jahren besteht, die gemeinsam ein kommunales Programmkino mit zwei bis drei wöchentlichen Filmvorführungen und einer Bar betreiben. Die Mitglieder des Vereins sind in jedem Teilbereich tätig und einmal im Jahr organisieren sie die  Open Air Veranstaltung “Kino im Hof – mit ohne Dach”. Im Jahr 2022 wurde anlässlich des 50jährigen Bestehens von Gründungsmitglied Achim Girnth dieser Film produziert, für den ich diesen Text schreiben durfte.

Gelage

Im Keller das Rad, die Wut und die leeren Kartons

Weisswasser | Anne SeubertYour body is an ecosystem of ancestors. A bloodline that does’t follow a single human thread, but a web of relations that ripples outwards into the ocean of deep time.

Sophie Strand, The body is an ancestor

Wenn einer käme, wie ein Scherenschleifer einmal im Jahr an der Tür vorstellig würde, die Zukunft zu schleifen, mit schwerem Gerät, das Gesicht offen, die Taschen leer, bis auf das Schmutztuch, das seit Jahren ein und dasselbe zu sein scheint.

Wenn einer käme, den Sachverstand auf den Prüfstand zu stellen, die Füße ins Wasser und die Leere in einen der übriggebliebenen Kartons, auf dass das sich Mauern bilden dürften, die Halt geben für das, was Sache ist, wird oder gewesen sein möchte.

Wenn einer dann tatsächlich kommt, das Lächeln auspackt und die Wut in den Vorgarten schickt, den Blick ins Gedächtnis ruft, der scharf stellen kann und dem Wetter eine erste Runde Vorhersagen-Bingo abtrotzt, dann ist die Tür nicht nur einen Spalt, sondern eine Saison geöffnet und du herzlich willkommen.