Geschwister

Der Satz des Poseidon

Er fühlte sich pubertär, so liebevoll die Zweifel gehätschelt, so intensiv die Wangen nach erhofften, aber eben doch nicht sprießenden Bartstoppel abgetastet. So mürrisch den Tagen in ihre jugendlichen Gesichter geblickt, von schräg rechts unten mit unverhohlener Skepsis, das eigene Kinn dazu fast an die noch immer gänzlich unbehaarte Brust geschmiegt. So ohne Verlass die eigene Stimme bei den doch sowieso schon selten gegeben Stimmproben, mal fisteliger Sopran, mal rumpelnder Bass, so geruchsintensiv die eigenen Achseln.
Er wollte die Welt, den Himmel, unendliche Schokoriegel, und nicht etwa das trockene Stück Brot, nicht die zwölfstellige Pin einer weiteren Chipkarte oder die Zusatzversicherung für etwaigen Zahnbelag. Er hatte das ihn mit Schwertstichen an seine Existenz gemahnende Bedürfnis nach in seinem Ohr sich umarmenden Landschaftpanoramen, nach rauschengelnder Nacktheit samt Federboa, nach jegliche Wut vernichtender Sanftheit. Und mehr als alles fürchtete er dieses unkontrollierbare Fluten der emotionalen Hormone oder wie immer das hieß.
Er ist ein Bruder der romantischen Verlierer und lächelt das über die Jahre unentbehrlich gewordene Pathos Sonntag für Sonntag nach dem Tatort in sich hinein. Das Pferd ist ihm, Bruder des Hades, heilig, Kühe hingegen schlachtet er mit Wollust, verzehrt sie, mit jedem Bissen rohseidene Blutfäden zwischen den Lefzen züchtend. Allerdings nur bei Nebel und auch dann nebst Knoblauchsauce extra dry, für den obligatorischen Durst danach stehen schließlich Ozeane bei Fuß. Den geborgten Dreizack unterm Kopfkissen, wird wenn dann sauer geweint, ansonsten hörbar geschlafen. Heute wie damals zurecht.

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