Geliebte

zart und zornig

Sage against the Machine  | © Anne Seubert

“Komm in das Land, wo der Feuervogel wohnt.”
Klaus Hoffmann

Der Zorn hat Federn gelassen,
ich helfe ihm über die Straße,
ich singe ihm ein Lied, das du gedichtet,
zwischen Wachen und Träumen, auf Kante gebügelt, auf Knie getragen.

Der Zorn steht heute früher auf,
weiss um Zeter und Mordio, wenn der Kaffee nicht auf Position,
die Götter nicht in der Spur und das Vaterunser nicht im Takt:
Der Zorn legt heute zarte Töne auf, die Wangen doppelt belichtet, die Hände im Muff, der Kragen weit in A-Moll.

Der Zorn hat sich rausgeputzt,
will es nochmal wissen, will können und machen, das Leben auf Hüfte tragen,
nicht sein sondern lassen, sich lieben und mich lassen: wund und wahr und versehrt wie am ersten Tag, als du um Hilfe batest und der Himmel den Horizont barfuß übers Meer schickte.

Der Zorn hat Ratenzahlung vereinbart und einen halben Tag Homeoffice,
er hat gelernt, Fragen nicht immer unters Kopfkissen zu legen, sondern auch mal mit an den Strand zu nehmen, da wo das Herz die Brandung in seine Arme nimmt und das Land regelmäßig den Kopf verliert.

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