Gestik

Hier und heute nacht.

Diese Arroganz, dieses Ich-mag-mich-so-wie-ich-bin, dieser nicht vorhandene Hauch von gefallen-wollen machte ihn – zum wiederholten Male – spontan aggressiv. Hatte sie denn nicht den Mindestumsatz an täglichen Komplexen am Hacken? Wollte sie etwa gar nicht attraktiv sein? Merkte sie nicht, wie dieses tägliche Bier statt Sport, dieses ewig entspannte Lächeln ihn auf die Palme trieb? Wie dieser ausgeschlafene Blick ihn müde machte?

Er seufzte. Wenn sie Verzicht bislang auch noch nicht kannte, würde sie ihn wohl kennen lernen. Müssen. Hier und heute nacht.

Sein meerumwobenes Kleid aus Sand trug er auch am nächsten Morgen. Bis knapp über die Knie reichte es bei Sonnenaufgang, abends wurde die linke Kniescheibe eine halbe vor der rechten Scheibe sichtbar – je nach Schattenwurf allerdings. Viele Blicke folgten ihm und seinen noch blassen Waden über das warme Trottoir der abendlichen Stadt und blieben erst an seiner Begleitung hängen. Gut sah sie aus. Nackt.

2 Gedanken zu „Hier und heute nacht.“

  1. schneck sagt:

    Solche Ohnmacht kommt mir bekannt vor, nicht jedoch kurze Hosen im Sommer.

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