Gestik

Und dann, November?

Und dann sitzt du da mit beiden Beinen baumelnd und der Tisch vor dir lächelt bienenwachstrunken und du hast beide Arme nackt im Schoß und weiß nicht wohin mit deinen verschorften Händen und packst sie versuchsweise tief unter die Schultern, da wo die Achseln Höhlen gegraben haben, aber es fühlt sich nicht ein Daumen wohl, nicht ein kleiner Finger. Und so lässt du die Hände wieder sinken und hebst stattdessen den Blick erstmalig auf und dann sogar über die Tischplatte hinweg, folgst der Maserung mit deinen Augen bis dein Blick kurz vor der Tischmitte ins Wanken gerät und verzweigt. Und wären da nicht wimperne Alleen beidseits des Lids, die ihm Rückendeckung geben und Kontur, wäre er sicher gänzlich vom Wege abgekommen und hätte sich zwischen die Tischbeine gemogelt. So aber ankert er nahe der Tischkante, da wo das Wachs einst einen Tropfen formte, da wo das Weinglas gerne zu kippeln beginnt, da wo du sonst immer den linken Ellbogen parkst.

Und dann hörst du, wie sich die Stille mit der Oberflächenspannung in deinem Teeglas paart und winzige Salbei-Aromen Wüstenträume schmieden. Meinst du zu hören. Denn eigentlich ist das längst Traum und du bereits mindestens zwei Meter tief im Innenohr versackt, hast dich in den Schatten der Felsenbeinpyramide gekuschelt. Sucht mich nicht, hast du in Braille gebeten, hörbar für jeden, dessen Fingerkuppen dich zu finden sich aufmachten in diesem November, der dreifachen Nebel bestellt und fünffachen ausgeliefert bekommen hat. Der deine Spuren statt zu verwischen in Nummernschilder eingraviert, deine Bilder schattengleich an fensterlose Häuserwände wirft und deine Wärme mit Chilischoten aufzuwiegen sucht, während du deine Fußsohlen in das Spiegelbild des Tisches auf dem birnenhölzernen Parkett stemmst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.