Gelage

Ordentlich Milch vor der Hütte

Milchbar | c Anne Seubert

Du machst es uns heuer wieder arg leicht, dich zu lieben, City-Babe. Jede deiner Wände ein Motiv, jede deiner Strassen ein Gedicht, jeder deiner Kieze ein Protagonist. Man möchte dir Bierdosen aufs Fenstersims parken, Geschichten auf den verkehrsundurchlässigen Leib schreiben, die BVG ans Revers heften, Songs unter die Hutkrempe tackern.

Wir treffen uns an der Milchbar, hattest du in deiner Einladung geschrieben und ich war den Schienen gefolgt, die den Wagen zu dir brachten, denn alleine würden wir nicht sein. Du hattest nichts von Dresscode geschrieben, aber dich rausgeputzt, Understatement wie stets, aber hey, jeder Stein frisch aus dem Ofen und so was von auf Kante und dieser Schriftzug: ein echter Hingucker!

Ich blieb draussen, genoss dich im Licht- und Schattenspiel und wartete heimlich auf die Mittagspause und ein paar verstohlene Minuten allein mit dir, aber Pustekuchen, du stahlst allem Lunch die Show und uns die Stille, aus der wir hätten machen können, was das Programm verschwiegen hatte. Der Kaffee geht auf’ s Haus, will eine Stimme ablenken, nicht ahnend, wer hier Haus, wer Hof, aber ordentlich Milch vor der Hütte.

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