Gegenwart

Tagebücherei

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In der Sprache der Nächte
hattest du mir ein Buch geschrieben;
Ein Leib aus Atem,
in den Augen eine Stille,
auf den Lippen ein Vers,
das Jetzt geborgen haltend,
Dem Morgen das Du anbietend.
Tage zu Seiten, die Nächte Kapitelbändchen,
Die erste Seite aber blieb leer

Der Empfehlung folgend zwei ausgeliehen,
einen gleich doppelt und das Wochenende vormerken lassen,
weil noch gebucht. Das Vorgestern ausgelöst,
das Heute verlängert und das Morgen erstmal auf Eis.
Heute bist du dran, Gegenwart!

Du hattest mir ein Buch geschrieben,
in der Sprache der Nächte,
still wie Gott sie schuf und drei Morgen tief.
Du hattest Worte gefunden, die das Jetzt auf Gleich,
das Du als Wir auftreten  und hinter jedem Wort
ein Schauern aufwarten ließen, das vor keinem Publikum in die Knie ging.
Der Vorhang aber blieb offen, wie dein Auge, Dämmerung im Blick.

An der Kasse dem Angebot nicht widerstanden und
schnell noch einen Dienstag für dich eingesteckt, der Montag ging auf’s Haus;
Zeilen haben wir noch und deine Seiten lassen sich drehen,
wenn der Wind günstig und die Stimme brüchig,
ich setze auf deine Handschrift, die das Schreiben leicht,
das Lesen nicht einfacher und das Versinken erst möglich macht:

Nimm den Stift nochmal zur Hand,
zeichne ein, was ausblieb
jedem Tag seine Nacht,
jede Nacht eine Seite für sich und uns:

Lass uns liegen bleiben.
Lass uns die Seite aufschlagen, die liegen bleibt.
Lass uns den Weg im Liegen gehen, den die Nacht für uns bereithält.
Lass uns den Tag ausleihen, der die Nacht nicht links liegen lässt sondern Rücken an Rücken dem Morgen ein Nest baut, in dem es ankommen, auferstehen und über Nacht bleiben mag.

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