Allgemein, Gemäuer, The Story behind the Picture

Haifischatem

1469 stand auf seinem Hals
da wo andere vom Hai
gebissen zu werden fürchten –
deutsche Infinitivkonstruktionen, wer liebte sie nicht
der nicht schon einmal das Abenteuer gewagt hat
sich der deutschen Sprache zu ermächtigen
der Haifischatem jedoch, den die Übersetzerin beschloss
wörtlich zu übernehmen, statt in den
schlechten Atem zu übersetzen
den wir mit Petersilie oder Mundspülung
den Garaus zu machen versuchen
bevor ein anderer ihn bemerkt
unvergessen, die kichernden Versuche
seinen eigenen Atem zuerst zu riechen
indem man ihn sich in die Hand atmete

Der Hals den jungen Mannes aber trug die Zahl
wie eine rätselhafte Aufforderung zum Gespräch
nahe genug an 1492
als Kolumbus in sein Tagebuch mit den Worten
Um zwei Uhr morgens kam das Land in Sicht
einer kollektiven Hoffnung auf die Entdeckung Indiens
einem der berühmtesten Missverständnisse
Worte verlieh, als könnte man Worte zurückfordern
weil die Leihfrist überschritten
ebensowenig wie Atem rückholbar wenn er einmal geteilt
dabei haben nur die Perser meines Wissens
in ihrer Sprache die Intimität des geteilten Atem
als Ausdruck funktionalisiert

Du, mit der ich meinen Atem teile
gerne, jede Nacht, als Zeichen meiner Liebe
ob Haifisch, Schakal, gut oder schlecht
abgestanden oder frisch –
lecker Atem gefällig?
Ich verliebte mich in seinen Atem
auch selten gelesen, wie überhaupt
der Atem seltener gelesen wird,
denn Fingerabdruck, Blutentnahme, Irisdiagnostik
in dem Fall des jungen Mannes
frage ich lieber nach und erfahre
von der Geburt einer Republik
Tschuwaschien ihr Name