Gegenwart

Die Kindheit des Horizonts

Die Kindheit des Horizonts ist eine nur selten erwähnte, meist tritt er in unserer Wahrnehmung und unseren Beschreibungen als Erwachsener auf, der seine Linie längst gefunden hat. Der sich in die Waagerechte eingefunden und zwischen Himmel und Erde sein in unseren Augen zweidimensional erscheinendes Zelt aufgeschlagen hat, in dem er alle unsere Sehnsüchte mit Grazie und Großzügigkeit beherbergt, der wir ihr kaum widerstehen können.

Wir vertrauen seiner dritten Dimension und, die Kraft, die ihr qua ihrer Unsichtbarkeit innewohnt, mehr noch als wir sie jeder ausgesprochenen Unendlichkeit glauben würden. Dass seine Kindheit, seine Pubertät prägende und von vielen Zweifeln und Ausbruchversuchen geprägte waren, wissen wir nicht, auch wenn wir es ahnen könnten, folgten wir mit unseren Blicken nicht nur seiner Horizontalen, sondern auch seinen Ausbrüchen ins Vertikale, nach oben und unten, blieben wir ihm treu in seinen Mulden und Bruchstellen.

Ließen wir die Unwägbarkeit zu, die das Abendlich ihm möglich macht, hielten wir ihm an den frühen Morgenden die Hand, wenn der Horizont selbst zu einem Sehnenden wird und sich Landträumen und Himmelsstürmen hingibt, von dem was möglich gewesen wäre, wenn.

Gegenwart

Deivierteldruck

Druck | © Anne Seubert

Er sagt nicht viel, aber der Druck steht ihm auf die Stirn geschrieben. Die Stirn, die er hoch trägt und noch höher leben lässt, als hätte sie heute Geburtstag.  Ein Tag, der feiert, was ist und Kunst! Eine Kunst, die er beherrscht, dabei kann Kunst viel, aber kaum Druck aushalten. Halt, den sie braucht, wie eine Wand, die sie trägt, ausstellt, sich anlehnen lässt, die sie aufnimmt, annimmt und ihr alles an Fragen abnimmt.

Druck, fragt sie, und er zeigt auf den Graben, der tief sich durch das platte Land schmuggelt. Druck kann Berge versetzen, kann Land (und Fragen!) aufwerfen, kann in aller Stille gefährlich werden, kann blau vor Anstrengung die Stille explodieren lassen, kann sich auflösen in einem Schrei. Schrei, hakt sie ein, und stellt die Gedanken scharf und das Wundern ein, es braucht einen, der schreit, wenn es wehtut, der nachgibt und auf, der Wunder am Haken hat und eine Flosse aus drei Viertel Wünschdirwas und einem Viertel Stein.

Drei Viertel sind ein guter Anfang, eine eindeutige Mehrheit und ein Takt, in dem sich tanzen lässt, ahnt er öffentlich. Drei Viertel lassen eins aus und offen und uns ins Blaue tauchen zwischen Pause und Pinselstrich, zwischen Leinwand und Druckerschwärze hindurch in ein Bild, das die Zargen ehrt, sich dem Schloss fügt, aber doch lieber selbst über die Schwelle tritt, als getragen zu werden.