Gegenwart

Traumzeuge

Boat on the Lake | © Anne Seubert

du trägst den see auf händen wie einen alten hut, der dir einst das leben gerettet hat. du flüsterst ihm leise komplimente ins ufer, die seinen spiegel bis in die seerosen schauern machen.

du lachst ihm bis auf den grund, alle geheimnisse auf einmal aufschürfend, von einem mond bezeugt der euch atemzug für atemzug an die angel nimmt:

ein einziges meer der möglichkeiten und sehnsüchte und unmöglichkeiten und einsamkeiten zu sein: staatenlos, übersalzen, urlaubsziel und naturgewalt  zugleich, so tief wie aufgewühlt, so unüberwindbar wie verwundbar. und alles mit leeren händen.

der himmel aber kratzt all seinen morgendlichen mut zusammen und kredenzt euch ein Ständchen, das den see vor wonne in die Knie zwingt und euch an seiner seite zum lispeln: jetzt nur nicht aufwachen.

Gegenwart

La cerise sur le gâteau

Blue Door No 24 | Anne Seubert

… und der Himmel staunt
und legt ad hoc die Wolken nieder
tuscht Blütenmeere uns zu Füßen
zarteste Kelche mit in allen Farben duftenden Grüßen.

Das Licht hält inne, sucht die Tiefe
webt zeilenweise Sonnenküsse zwischen Briefe
Und was du wagst trägt Spuren, über Dächer
eilt dein Ruf, öffnet Türen, öffnet alle 24 Fächer.

Der Sommer? Der lacht barfuß bis über beide Knie,
sich ins Fäustchen, lässt Hitzewellen donnern, schleudert Blitze
Und magst du noch so sehr das Dunkle suchen,
es bleibt das Licht für heute die Kirsche auf dem Kuchen.