Gelage

Espenlaub & Telemark

Zwei Räder, eine Tür | © Anne Seubert

Stehst und mischt nur deinen Blick unters Volk
wagst ein Untergehen in der Menge
hälst der inneren Unruhe ein Ständchen
übst das Spielen vom Blatt: Lächeln, zwo, drei, vier

in der Hosentasche eine Handvoll Nacht

Und dann will einer, dass du, obwohl du und weil du wie du auf den Punkt kommst, diese Landung, die dir keiner nachmacht, die du nie geübt, obgleich die Angst dir stets treu, diese Landung magst du in den Raum, inmitten, magst du?

Stehst und fremdelst mit Schritten
Wendest das Gute wie einen Pfannkuchen nach Minuten erst aus der heißen Pfanne
Wirkst den goldenen Faden noch ins Knopfloch der kleinsten Träne
würdigst auch das Wort, das nicht über die Lippen sich wagt

in der Hosentasche eine Handvoll Nacht

Und dann spielt einer das Ass aus deinem Ärmel, poliert das Weiss seiner Weste auf und zieht blank: Die Hoffnung zuletzt, den Glauben auf ex und die Liebe doppelt und dreifach gefaltet.

Steigst auf und wie du federst beim Gehen
Magst wie es knirscht und knackt und
weisst nicht nur das zu schätzen, was glänzt und Federboa trägt
nicht nur die Landung sondern auch die weichen Knie

in der Hosentasche eine Handvoll Nacht

Und dann zittert einer als gäbe es kein Halten, als wäre alle Luft eine, die dich eiskalt überfällt, von hinten oder doch zumindest von da, wo es zieht. Schneller als dein Schatten, dunkler als die Handvoll Nacht, die zwischen deinen Fingern zur Neige geht.

Gelage

Sagaland

Sagaland | © Horst Kiechle“Sagaland” | © Horst Kiechle, 2021

“I grew up in a forest. It’s like a room. It’s protected.
Like a cathedral… it is a place between heaven and earth.”

― Anselm Kiefer

Einer steht da und sagt nichts,
nichts für Stunden und nichts zu mir,
Steht da und lässt den Regen
fallen. Kein Halt.

Bäumchen? Wechsel’ dich!
wechsel’ deine Wäsche, 
deine Krone, dein Gewand,
deine Geschichte aber leg dir zurecht.

Einen noch, sagst du und drehst dich,
zum Wald, der dem Schloss zu Füßen –
knietief im Gold, seine Häupter,
strotzend vor Heimat, so beredt wie still –
den Himmel begrünt

Bäumchen? Wechsel’ dich!
wechsel’ deine Wäsche, 
deine Krone, dein Gewand,
deine Geschichte aber erzähle zur Nacht.

Eine blieb liegen, bis die Bäume in Schlaf gefallen,
pflückte die Märchen aus den Achselhöhlen,
und rannte – auf bloßen Sohlen den papiernen Blätterboden lesend –
zum Schloss, das die Geschichte aufdeckte, verwandelte,
und so den Himmel erröten ließ: Aurora!

 


Sagaland ist eines der legendären Ravensburger Brettspiele aus den 80er Jahren. Auf dem Spielplan sind ein Dorf (Start), ein Schloss (Ziel) sowie ein Märchenwald abgebildet. In diesem befinden sich die Tannenbäume, auf deren Unterseite jeweils ein Märchensymbol abgebildet ist, z. B. Aschenputtels Schuhe oder die Kugel aus dem Froschkönig. Die Mitspieler versuchen – von den anderen Mitspielern möglichst unbemerkt – den Tannenbaum mit dem Märchen aufzuspüren, das gerade auf dem Kartenstoß im Schloss aufgedeckt liegt.