Gelage

May I be excused

Venice in Winter © Anne Seubert

Mein schwacher Punkt bist du, der du zugleich mein Gedächtnis. Mohnkuchen auch und Extrablatt, wenn die Geschichte mal wieder nicht zum Schluss kommen, und der Held nicht ins Bett möchte. Wenn mir die Luft ausgeht, kommst du zum Zug, der sich zumeist verspätet auf Gleis 8 nähert und erst auf den zweiten Blick seine Herkunft preisgibt: Ein Weg als Ziel hütet vor pünktlicher Ankunft ebenso wie vor Eindeutigkeit, verspricht dafür dralle Migrationshintergründe im Dutzend.

Mein schwacher Punkt bist du, der du die Zahnlücke kurzerhand zum Gütesiegel erklärst, die Gänsehaut-Sensibilität zum Auswahlkriterium und die Luntendichte als hohe Mathematik zum Eis servierst, damit wir schneller – may I be excused – dem Tischnachbarn den Rücken und uns alles andere zukehren können. Auf Ex!

Es bleibt spannend, auch wenn du sicherer zwischen den Partituren wechselst als ich den Schaum vom Capucchino löffele. Die Contenance habe Ausgang, beschließen wir unisono und legen noch einen drauf: Vom Einfachen das Gute und das hoch Drei, rechnest du in Wimpernschlägen vor, die ich schon nicht mehr sehe, nur an meinem linken Wangenkochen entlang streifend, was sag ich, streichelnd verspüre; der Vertikalen ein Ständchen räuspernd, das unwidersprochen auf Repeat bis zum Augenaufschlag bei Zapfenstreich.

Gelage

Gardinen im Rückspiegel

Drei Quadratmeter Haut servierst du als Hauptstraße, rockbesäumt, ich nehme die Tür, sagt dein Blick, als du die Regenrinne herabkletterst, Blumen im Haar. Blumige Gardinen im Rückspiegel, duftet die Fahrt schon nach Ankunft, ehe der Auspuff scheppert, ich schieb es auf Italien und das Dorf, das der Wedding sich borgt, um die Katze auf die Türschwelle setzen zu dürfen. Rosen statt Katzengras auf Halbsechs könnte das Bild lauten, hättest du es auf Polaroid, wie den Sonnenuntergang, dem ich auswich.

Bleib, just a little bit, ruft mein Schweigen, der Nachbar hat andere Pläne und lädt die Sprenkleranlage, es ist schließlich Sommer. Sommers wie Winters trägst du die Pläne im Handgepäck, warum warten, ich sehe es mit Seidenstraßengelüsten und Achtung. Achtung, die sich dehnt und wendet und um die Ecke geht nicht nur um zu telefonieren, wenn der Chef ruft und das Dinner warten muss.

Streichel’ mich satt, weiss die Klingel schon und stellt die Rosen ins Fenster. Sommerzeit, da ist früher hell und weniger Schatten. Schatten, der dringend nötig, für das was da gedeiht zwischen Vorfilm und Abspann, Lust auf Serie macht und die Geschichte doch schon im Titel verrät: Gardinen im Rückspiegel, servierst du deine Haut …