Gelage

Einen Laib Heimat am Stück

Deinen Atem entziffernd, deiner Wut lauschen. Von Hand schreiben, zwischendurch die Hand auflegen, die Finger einzeln erst, dann den Ballen, da wo dein Mark Amplitüden übt. Schlitternd. Schillernd. Betont prägnant Funken zu Bogen schlägt zwischen die Furcht und den Trotz. Und dann doch:

Vor deiner Zärtlichkeit in die Knie gehen, 20 Sätze tief und einen Absatz weit, ins Unerhört gebliebene rücken, zwischen Atemzügen ins Ruheabteil geflüchtete Gesprächspausen enträuspern. Deine Verschmitztheit bunkern, man weiß ja nie, und dann Ziegenkäse in Honig servieren. Ohne Löffel, dafür den Raki doppelt gebrannt. Den Mut erinnern und:

Während du bestellst, heimlich die Blicke entkalken, den von vorhin zuerst, als du noch deine Rolle verlegt hattest und deine Augen nicht wussten, an welcher Ecke man stehen bleibt und wo man auch bei Rot und ohne Serviettenring an meinen Tellerrand rutschen darf. Dort, wo das Olivenöl drall die Schwerkraft auslotet, nach Brot gierend, dem ofenwarmen. Überhaupt:

Einen Laib Heimat am Stück, bitte, Frau Lange, und drei Scheiben Sehnsucht, ja, von der Groben direkt auf die Hand!

Gelage

Gestatten, Durchschnitt!

Die Zeit hintan stellen, noch hinter den, der sich Alltag nennt und Routine im Schilde führt, meterdick. Das Wasser direkt aus der Flasche trinken und den Beilagensalat konsequent verneinen. Das Selbstbewusstsein nochmal ins Gewächshaus geben, zumindest über den Winter.

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Sich mit dem Wecker darum streiten, dich wecken zu dürfen. Dir den Appetit auf den neuen Tag unter die Haut flüstern, schon bevor du die Augen aufschlägst. Dich mit rauchzarten Schwaden Wollust gegen die zu erwartende Banalität des Alltags impfen, dich mit Neckereien nähren, die dich verlegen schauern und das rechte Bein anwinkeln lassen.

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Die Zeit hintan stellen, auf den Raum fokussieren, ihn weiten, das Herz aufhellen und aus den Stirnfransen ein Leporello basteln, Hey Dude säuselnd, wenn man es jenseits der Mitte aufschlägt.

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Dem Mittagstisch Beine machen, einen doppelten Boden in unsere hin und her gepingten Wenn-Dann-Sätze flechten, seine Zartheit nur unausreichend verbergend, in seiner Unausweichlichkeit Unruhe hochkochen lassend, sobald einer von uns zu viele Konsonanten hintereinander gepackt hat. Das jedes SZ mich an deine Silhouette erinnert sei da noch nichtmal berücksichtigt, aber du weißt darum, ich ahne es, an deine Schenkel mich lehnend, inwendig.

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Die Zeit hintan stellen, sie vom 24-Stunden-Pfad abbringend, dir Gefährte sein zwischen den Schatten, die dir Sonne auf deinen Leib schlägt, genüsslich in Intimzonen vordringend, konvex und konkav verwechselnd.

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Meine Hüftknochen in deine Kniekehlen schmiegen, dir Mut einflößen, atemweise. Lippenprint, ohne Lack und Siegel, lauert im linken Mundwinkel ein Rest Gin vom Vorabend, flirtend. Dich schweigen machen, den Mund randvoll mit Begehren, so dass jeder Atemzug Gefahr birgt, ein Stöhnen preiszugeben, dass zu viel und dir noch nicht gegönnt.