Gelage

Suppenkaspar

Sein Löffel reichte nicht von der Suppe zum Kinn, vielmehr brach er just an der Stelle, an der Maggi’s ihre Knoten schlagen. Die Kürbiscreme tropft braunfleckend auf den frisch toupierten Flokati, des Löffels Stiel schlägt noch drei Kerben in das dunkelblonde Parkett bevor er westlich des Tischbeins seine Ruhe findet. Die Oberlippe zittert ob des metallischen Lärms, obgleich noch unberührt von Suppe und Löffel, ja vom sorgfältig unter die Kürbisfragmente gerührten Ingwer. Für einen Moment steigt das Adrenalin bis in die Wimpern, färbt Wangen und Stirn und bringt das Handgelenk um seine sonst ruhige Hand. Laffe samt Stielansatz bis zur Bruchstelle fügen sich der für einige Sekunden plötzlich verordneten Zappelei, epileptiform bis zum Leerlauf. Die Wirbelsäule streckt sich, schiebt den Kopf samt zusammen gepresster Lippenfalte fünf Zentimeter nach oben. Zehen krallen sich ohne nach links oder rechts zu schauen in imaginäres Erdreich, die Kniescheiben rücken spontan noch dichter zusammen

Und keinen Moment später, entspannt sich vom linken Oberlid ausgehend der Korpus, noch bevor der Stiel verstummt, noch bevor der Suppe die Flucht in die Flokatifasern gelang. Oberarme reden wieder miteinander, Schulterblätter geben sich wohlig seufzend der Schwerkraft hin und die Lippen formen erwartungsvoll ein O. In Nasalposition wie im Altprovenzalischen.
Dann ist es gut, über zwei kräftige, schwielige und dementsprechend unempfindliche Hände zu verfügen, die die brüllend heiße Schale in ihre Mitte nehmen und zum wartend geöffneten Mund führen können: Den Umweg über den Flokati sich sparend, das nährende Nass in die Kehle schüttend, das Gaumensegel wölbend. Der Schluck danach ist ein supraglottischer, der auch den kleinsten Zeh satt macht.

Gelage

Samstag in Farben

Vom Kobalt ins Sepia stolpern – und vice versa -, immer neue Farbpfützen ausfindig machen.
Monochrom grünlich-kühle Ecken erobern und darin den roten Faden finden, ihm folgen und dabei Klänge zu hören beginnen.

Kokons in Weiß und Orange auffalten und darin filzig raue Behausungen finden. Pure Oberflächen, griffig und kratzend. Und doch nur den Ton klären wollen. Um Ecken sich wagen und warm-gelbe Oasen finden, staubend vor Pigment.
Farbdunst einatmen, die Poren damit füllen und Klecks für Klecks die vitalisierende Wirkung genießen, dem Grau ausweichen, den Klängen folgen. Töpfchen und Tiegel aufspüren, Mörser und Spachtel. Eintauchen in karminrote Tümpel. Und immer wieder Wände, die gestaltet gestalten, Licht, das Flächen leuchten macht, Figuren, die aus Gemälden zu grüßen scheinen. Fische tragende Figuren, tanzende Figuren, farblose Figuren. Die Musik irgendwann vor 40 Jahren finden, bei Grammophon und Harlekin.

Blass werden ob all der Farbenmacht. Terpentin atmen und Wachspartikel schlürfen und weiter eilen, Raum um Raum satter und hungriger zugleich werdend. Bühnenbilder sich aufbauen sehen vor dem inneren Auge, Rotwein schlürfend den Tango suchen und finden und schließlich doch noch Ruhe finden, bei Stein und Gips, Meißel und Block.

PS: Rita, nächstesmal schlemmst Du mit, ja?