Geliebte

Da wo der Flieder blüht

May Date | King of Prenzlauerberg | © Anne Seubert

Da wo dein Hüftbein Schlange steht, sucht mein Finger eine Bleibe,
bleibt wo dein Herz sich gerade warm zittert,
verlegt vor Freude die Angst,
zwischen Weidenkätzchen und Waldrand,
Giersch und Gundermann.

Das Licht hält inne, sucht die Tiefe.

Am Ufer deines Traums also ein Lager aufschlagen,
Seitenstraßenmusiker, ein Obdach auch dir,
ich habe uns Blumen mitgebracht–
Lippenblütler, die blühen auch im Dunkeln –
solltest du wider Erwarten die Augen aufschlagen.

Der Flieder duftet und verführt die Stille.

Dein Traum aber hat Wurzeln geschlagen,
webt zeilenweise Sonnenküsse zwischen Briefe,
die noch nicht geschrieben, und lädt den Nachmittag
zu einer Spritztour über Land.

Die Stille summt ein Lied, das keine Strophen.

Was du jetzt wagst, wird Spuren in die Erde schmiegen,
wird Fenster sich zur See hin öffnen lassen, flügelweit,
wo bislang das Land am Ruder war.

Geliebte

traumdelta

 

wege streicheln zwischen wimpernsaat und brauenwinkel, da wo das lid sich teilt. schauern lassen.
kuppen tupfen wo wangenmulden wölbungen folgen, auch mit geschlossenen augen.
fältchen zähmen ohne dem schattenwerfer das licht unter den scheffel zu stellen.

erst aufwachen dann einschlafen dann herträumen dann hinwerfen: den schlaf, den traum, dich und den plan für den tag.

alle zärtlichleit fallenlassen, so tief der traum klingt, erst dann die zweite stimme aufrufen
in den wald locken und eine lichtung aufspüren, die von einem morgen zeugt ohne alles zu verraten
das licht löschen und der welt den rand nehmen: wehe wenn einer springt!
deinem zittern ein plätzchen anbieten, der erste tanz gehört mir.