Geliebte

Morgengrauend

Morgens ohne die Lider zu öffnen ans Festern stürmen und den Raum hinter den Scheiben einatmen. Dabei Wälder züchten, Mischwälder mit dichtem Unterholz hinter die eigene Stirn züchten, einen nachtdunklen See dazu, moosig zur Wetterseite. Einen Raddampfer vorsichtshalber beiseite legen für Langstreckenträume, ein Torfmullareal wenigstens in Gedanken anlegen und dann ganz wichtig: bereits vor dem zweiten Weckerklingeln wieder im Bett, mit nichts als der vertrauten Bettwärme einer durchgelegenen Nacht.

Unter Federn das Wagnis unternehmen, die Lider der Schwerkraft entgegen zu öffnen, Nanograde im 8/7-Schritt, den ersten Brotduft bereits im Anflug wahrgenommen und zur Motivation missbraucht. Raue Hände sorgen für den nötigen Reibungseffekt beim Versuch, möglichst große Gliedteile unter der Decke in Sicherheit zu bringen. Die Ohrmuscheln bereits auf Stand-by, weilt das Gleichgewicht noch außer Betrieb, stets als letzte zur Schicht, stets als erste in der Pause. Ein Stück Haut stets aber, wie alle Tagnächste zuvor, auf Hab-Acht.

Allmorgendlich aber lauern Armeen von Gänsehäutchen vor jedem nachlässig geöffneten Deckenwärmeventils – Sonderanfertigung meinen Ur-Erb-Ahnen – um von meinen Polkappen aus den ersten frostigen Schauer des Tages mir übers Fell überjagen, noch ehe der Tag erwachte. Hinterrücks, erwartbar, lüstern.

Und ja, ich hätte ihn gerne noch einmal angesprochen, letzten Herbst. Vorletztes Jahr vor allem, aber auch dieses und nächstes vermutlich auch noch ein paar mal. Gar nicht so sehr wegen der Worte oder des Gesprächs als solchem, um seine oder meine Reaktionen wegen. Es wäre auch nicht dieses sein Lächeln, das rabenschwarz-angedeutete, vor Verschmitztheit bis zur Unkenntlichkeit überwucherte. Die schauernmachenden Fingerspitzenflirts, Auftakt jeder ersten Begegnung, und davon hatten wir viele? Nein, auch diese nicht. Der morgendliche Kaffeeruf, lautlos aber jeden meiner Alpträume mühelos durchdringend? Der fehlt durchaus zuweilen. Abend für Abend aber fehlt die Möglichkeit seinen Namen zu hauchen.

Geliebte

Treppen absetzen

Beim abendlichen Blick über den Hof ein Lächeln abgestaubt, ein braungebranntes, das über die Tagesschau hinaus wirkte, mitten in den Spätfilm funkte und gar das Testbild noch zum Wanken brachte. Beim Ruderfinale mitgefiebert, Oberarm für Oberarm das Wochenende nähergerückt, den gischtigen Nachhall zwischen den Zehen bunkernd.

Die zahnbespangte Nacht unters Kopfkissen gepackt, kreuzt er die Schulterblätter – en garde, packt die Goldfeder aus und malt sich einen lüsternen Narziss in die Ellbeuge, spiegelverkehrt versteht sich. Zwischen frischgetuschten Wimpern offenbart sich ihr stillgelegtes Zehenrad außerhalb des Plumeaus, einladend nackt. Die Waden zur Vernunft gerufen, ordnet er seine Schenkel streng parallel zu ihrer Kniescheibe: Jeder ist ein Körper. Seiner hungert.

Irgendwann dann: Flucht ins Treppenhaus. Zum Z’Vieri ein Glas frisch gepresste Zitrone auf der dritten Stufe, den Rücken an die kühlende Wand, der Blick treppab, erwartungslos auf den nächsten Gipfelstürmer gerichtet. Sämtliche Träume noch vor dem letzten fruchtfleischreichen Schluck auf die nächste Kante geschubst – bis zur Kehrwoche in Sicherheit – und dann Anlauf genommen für die nächste REM-Phase an ihrer Seite.