Gelüste

Zwei Tibeter sind drei zu viel

Wenn die Wirklichkeit sich zurückzieht, die nächste Ecke umsegelt, jenseits von Dachrinne und Frühstücksdeckchen anlandet, setzt du deinen Hut auf. Den Hut, der deine Stirn birgt, so dass ich mir die Zahl deiner Falten merken muss bis zum nächsten Gruß. Der Gruß, der ausbleibt solange ich auf Wanderschaft, der mir Nachhall und Lächelgrundlage. Grund auch und Boden für einen Tag jenseits von Listen und Belegen, den Feierabend im Rücken und das Z’Nüni zwischen den Zähnen. Man weiss ja nie. Denkt aber stets.

Denkt einen Schritt vor und zwei zurück, Wiegeschritt, demi plié, Handstand-Abrollen. Denkt doppelt so schnell. Einsam plötzlich, bis zum TZ. “Damals…”, sagst du und lächelst zwischen den aufgebrezelten Ampelmännchen hindurch ein Halleluja, das auf der zweiten Silbe so verführerisch lispelt, dass mein Schatten noch vor Sonnenaufgang in die Knie geht. Hüftbreit. Den wunden Punkt sorgsam zwischen den Schulterblättern balancierend.

Die Schultern bis unter die Hutkrempe gezogen, wirft dein Nacken Faltenröcke in Spe. Auf Verdacht. Ohne Sinn und ohne Taille, aber jeden zweiten mit Tütü. Ein Tütü, das meiner Hand die Finger aus dem Leib zieht, Daumennagel und Zeigefinger zuerst, der Kleine folgt auf dem Fuß, den Babyspeck ungeduldig durch die feinen Fasern fädelnd. Abendsonne halt Abstand, wir üben noch!

Gelüste

Bisslüstern bis zum Knie

Nicht mein Satz. Nicht meine Worte. Geliehen das Komma, der Punkt, das Fragezeichen. Auch der Absatz: Fehlanzeige! Das Lächeln: second hand. Der Augenaufschlag: Nicht mein Ass. Nicht mir die Angst auch, die dich trägt. Verzagt. Verzärtelnd. Vor sich her. Schild und Schale. Spiegel mitunter. Mir. In guten wie in Regenzeiten. Wetterscheide deine Wut, die erst aufzieht, wenn mein Wundern sich schlafen legt.

Sich schlafend stellt zumindest, dösend dem Unmöglichen meinen rechten Zeh kredenzend. Bisslüstern bis zum Knie. Barbusig die Kniescheibe gar, sagt dein Blick, der meiner Wade gefolgt war. Ich wünsche mir ein Unwetter auf die nackte Haut. Ein reinigendes. Eins mitohne Blitz. Das mir Gänsehaut und dir ein Gähnen abverlangt. Ein Grollendes. Unaufhaltsames. Küstengeborenes. Was sag ich, eins mit Fernweh auf den sandigen Lippen.

Eins, das Zähne zeigt. Mit geschlossenen Augen. Sätze im Handschuhfach hortet, die Ruhe bergen. Vor Sturm. Scham. Und Kleinlichkeit. Die Räume öffnen zwischen geliehenen Schenkeln. Vokalumsäumt und schüchtern wie vorm ersten Kuss. Auf die Knie! Auf die Wade! Auf den Handrücken die Lippen gesetzt – Gaze war gestern – und wieder von vorn. Wortlos zwischen Satzzeichen wandelnd, das Lippenpaar Tango lehren. Und Kasatchok. Und Pfeifen!