Gelüste

Hülle und Fülle (wanted)

Ummantele mich, vierhändig, Faser für Faser Muskeln unter meine Fassung definierend, tröpfele trägsüßen Rahm mir auf die Zunge, im Übermaß, alle Bitternis ertränkend. Nächtelang summe Weisen mir, sturmgeborene, schaumtrunken russische Schwermut imitierende, bade mich in Großmut epischer Länge, schreibe sphärische Oden mir auf den Leib, kleide mich in Sprachwerk und Lichtklang, räche meine rußschwarzen Nächte, bitte mich zum Tanz!

Vollmundigen Mut lehre mich, öffne Lenden und Sinne mir unter der gewölbten Stirn, nähre mich löffelweise, ballaststoffreich, gebe mir Recht, Wucht und Leidenschaft, straffe meine Schulterblätter. Einmal Wonneproppen und zurück, tröste meine nässenden Wunden mit vor Bodenwärme strotzendem Rindenmulch, säe Horizonte mir unter die Brauen, beschwichtige meine Haut.

Umarme mich. Zartherb. Felsenfest. Nochmal.

Gelüste

s‘Näscht isch gfunde.

Quer durch die Republik sind wir uns einig, sie ist mir nur eineinhalb Monate voraus, aber was macht das schon bei fast 90 Jahren. Das Treppenhaus petrolfarben und im Garten ein Kastanienbaum, soweit reicht die Sehkraft. Dass auf dem Klingelschild mein und nicht ihr Name steht, bleibt für sie schon unsichtbar. Sie fühlt sich bereits wohl, ich freue mich noch darauf, barfuß den neuen Boden zu erkunden, die eigenen 4 Wände zu erstreichen, Handballen für Handballen, den Hall testen, das Licht. Ich sammle Kartonagen und bündele Staubmäuse, wo immer sie mir unter kommen – was ich nicht alles wegschmeissen möchte in diesem Moment!

Minuten später dann: Sehnen, mich, in deinen Arm in einen Park unter einen Baum auf eine Wiese inmitten von Blumen und Bäumchen nahe einem See mit einer Insel und einem Steg mit Rankepflanzen und zirpenden Grillen in der Nähe ein altes Haus mit kühlend dicken Mauern und freundlichen Menschen und das alles unter einer wärmenden, Sorgen vertreibenden, Sonne.