Gelüste

Vom Ende der Eiszeit

Nach einer Nacht voll schmerzhafter Müdigkeit erinnert mich der morgendliche Schneefall betont subtil an die vorherrschende Jahreszeit. Der heutige Tag hat erstaunlich wenig Reizvolles in Petto, ich versuche ihn trotzdem brüderlich an der Hand zu nehmen – gemeinsam stark auch in Zeiten der Krise (das meistgehasste Wort 2009?!) und mit einem kohlehydratreichen Frühstück zu zelebrieren. Heimlich und wenig pietätvoll denke ich bereits an sein Ende, noch ehe ich vollständig erwacht wäre, träume bereits von der warmen Decke über meinen Schultern noch ehe ich den Büstenhalter für den Tag gewählt, und schließe die Vorhänge noch ehe die Sonne das Tageslicht erblickt hätte.

Listen unterschiedlichster Couleur harren meiner Bearbeitung, aber das Telefon macht einen auf besetzt, der Computer einen auf kurzgeschlossen und die Lust einen auf mehrwöchige Abwesenheit. Mir ist nach behäbiger Sinnlichkeit, sonnenbedeckten Schultern inklusive, nach kicherndem Bauchnabel und streichzartem Augenaufschlag. Mir ist nach zerwühltem Hotelbett, nach hingebungsvoller Muße, nach Erdbeeren und schmelzendem Schokoladeneis. Sofort!

Gelüste

Sehnsüchteleien im Morgengrauen oder

… ein Kompliment macht noch keinen Sommerurlaub.

Und man mag ihn, man mag ihn sehr, den einen, der es wie kein anderer versteht, das linke Brustbein trotz übereifriger Flanellpanoramen zu dekantieren, dass Karaffen plötzlich überflüssig, Wollgespinste überflusig und nur mehr Fleisch und seine Lust, seine Fingerspitzen, Atempausen-Medleys das Kleinhirn zu inspirieren vermögen, man mag ihn mehr als gut, länger als bis in die Puppen und allen Schmeicheleien, Rosensträußen, Liebesschwüren der Konkurrenz zum Trotz.

Man mag ihn des Blickes wegen, der unter seinen Lidern lauert, allzeit bereit seinen Fokus lähmend intensiv ins Dekolletee des eigenen Willens zu richten, man mag ihn seiner Wortwahl wegen, die so geschliffen, so elendiglich prägnant, so flachlegend süffisant Weiblichkeit und Intellekt niederringt, man mag ihn seiner austarierten Weichheit wegen, die einem frühmorgens zwischen dreiviertel 3 und Sonnenaufgang die Hände unruhig, die Pupillen sehnsüchtig weit, die Lippen plappern werden lässt.

Man mag ihn seiner Anmut wegen, die ihn morgens packt, unvermittelt zwischen Bett und Bad, oder zumindest zwischen Dusche und Toast und ihn bis Mitternacht nicht mehr verlässt, die seinen Nacken, seine Hüften mehr als, seine Knie immerhin noch leidlich fest im Griff hat, die seine Drehungen und Wendungen drechselt und seine Schritte feilt.

Man mag ihn seiner Rauheit wegen, dieser aus der Reihe tanzenden, seiner Zehenausbuchtung perfekt angepassten Ergänzung, die seinen Bart statt 3 oftmals 4 oder 5 Tage alt werden lässt, sein Lachen schallend, seinen Schritt schwer und seinen Verzehr oftmals enorme Ausmaße annehmen lässt. Man mag ihn seiner Versprechen wegen, die er oft genug nicht einmal ausspricht und die doch so unverblümt nackend in seinen Gesten liegen, und sich zwischen seinen Augenbrauen mit drei Wimpernschlägen Wehmut auf das Vergnüglichste zu vereinen wissen.

Eigentlich mag man ihn gar nicht, fürchtet ihn und seine Quadratlatschen mindestens so sehr wie man ihn herbeisehnt, legt ihn oft genug beiseite wie ein zu häufig gelesenes doch nie zur Gänze auswendig gelerntes und/oder verstandenes Lieblingsbuch, dessen ausgelesensten, angefressensten, eselohrig müffelnden grauen Seiten voll existenziell nötiger, ideal verpackter Worte, ja Sätze man spätestens zum Einschlafen zielsicher wieder aus überfüllten Regal klaubt, mit feuchten Fingern und hungrigen Sinnen. Wie gut weiß man, dass er eigentlich alles andere als perfekt für die eigene Haut, von den Innereien ganz zu schweigen, wie sehr schmerzen noch im abstrahierten Nachhinein Unsäglichkeiten und ungelebte Briefe. Sehr.

Anyway, man sagt: “Your assignment in 2009, Pisces, is to become an expert surfer of the beautiful, playful, blessed waves”. Denn mal die Badehose ausgepackt und ran an den Start, Neujährchen!