Gemäuer

Zeichne mir ein Hier im Jetzt

Zeichne mir ein Hier | © Anne Seubert

Wir machen durch, sagt dein Blick.
Wir lassen offen, zeigen deine Arme
Wir legen auf, spüren deine Hände.

Bevor es später wieder keiner war, raunt dein Daumennagel mir seine Initialien in den Schoß, blaubeern und sanft, dabei den dreifachen Konsonanten auf der Nagelhaut balancierend.

Wir fahren fort, ergänzt dein Atem.
Wir lesen vor, flüstern deine Wimpern.
Wir kommen später, murmeln deine Knie.

Nie wurde auch selten zelebriert, machen deine Lippen mir den Hof, der Laden und Luke zugleich, Zittern und Zeugenstand, bis das Jetzt dem Nie die Zungenspitze reicht und Schauern auf ewig erntet.

Wir riechen Lunte, radebrecht dein Rücken.
Wir nehmen nach, seufzen deine Schenkel.
Wir bleiben außen vor, ahnen deine Ellbogen.

Gegen die Wand, weiss dein Willen die Leere zu delegieren, die uns vor Mitternacht besucht, als der Zeiger heimlich über Los fuhr und die Minuten plötzlich nacheinander aus dem Rahmen fallen. Jetzt ist eine runde Sache, auf den Punkt genau im Hier gelegen, Mittel zum Zweck und Wahl des freien Willens zugleich, alles Weitere obsolet.

Zeichne mir ein Hier im Jetzt.

Gemäuer

Gespräch unter Ängsten

Die Angst absetzen, Bedarfshaltestelle sei dank, und die Schulter kreisen lassen. Vorwärts fünf, rückwärts sechs Kreise weit und dann ausatmen und die Fingerspitzen nach innen drehen.

Der Angst Hausverbot erteilen, für heute, morgen und das Wochenende und ihr gleich auch das Taschengeld kürzen. Soll sie sich doch was dazu verdienen, aber auf meine Kosten lebt sich’s nicht mehr.

Die Angst ins Schaufenster stellen, Blick Richtung Bauchnabel und um die Hüften einen Schwung Stoff aus der letzten Saison. So fühlt sich das nämlich an, out zu sein und auf dem Präsentierteller ausgestellt um angestarrt zu werden.

Schließlich die Angst backstage nehmen auf ein Bier und einen Zug von deiner Kippe. Ihr ein Bad einlassen. Wir haben ganz schön Federn gelassen über die Jahre, Zeit für ein neues Kleid und ein Gespräch unter uns.