Gestern

Steiniger Apéro

Die mäandernde Leichtigkeit, die meinem Rückgrat Gänsehaut verursachte, klebt am Niewieder, in unsichtbare Ferne gerückt. Schnee ist gefallen und der Aperol geleert von Gästen, die zu früh gingen. Es bleiben leere Fächer im Eisschrank und ungefüllte Blumenvasen. Der Fahrstuhl ist ohne Gesang. Herbst. November gar. Zeit zu träumen.

Unter meinem Baum im imaginierten Kiesbett liegend, das noch sonnenwarm Abdrücke auf meine nackten Schenkel prägt, will mir nicht in den Kopf, wie ich dich hatte gehen lassen können. Nun weile ich hier unter meiner theatralischen Weide, mein Gesicht seitlich dicht an den Boden geschmiegt, mir einbildend, deine Fingerkuppen auf meiner Haut zu spüren, während es einzig und allein kleinere Kiesel sind, angenehm warm und wohl gerundet.

Du hingegen sitzt in deine Aufzeichnungen vertieft mindestens einen Steinwurf entfernt an den Stamm der von dir so geliebten Sommerlinde gelehnt, dein Gesicht verschattet, kaum erkennbar weil abgewandt. Selbst im Traum. Und doch, ich schmecke deinen Geruch, der jedem einzelnen Kiesel anhaftet, den ich mir mit von Wehmut durchtränktem Genuss auf der Zunge zergehen lasse.

Gestern

Meistens hat man einen

Frohgelocktes Dreamteam

Einen, den man lieber mag. Ich aber habe zwei davon. Einer toller als der andere. Zwei wundervolle. Wildgelockte. Wandelwollende. Bis zu meinem dritten Lebensjahr umrahmten übrigens auch mein Antlitz hellblonde, lockerleichte Locken. Sie wippten fröhlich umher, wenn ich lachte, leuchteten mir mit dieser blonden Leichtigkeit den Weg in die Herzen italienischer Campingplatzbesitzer und umgaben mich nonchalant mit einer seit daher verschütt gegangenen Unschuld. Kurz nach Vollendung meines dritten Lebensjahres aber verließen sie mich – for good! Es fand sich großzügiger Ersatz, wenn auch ungleich dunkler und schwerer, lockenlos.

Und Wandel? Das ist wohl der, der hier gerade mal wieder ungeduldig von einem Fuß auf den anderen tretend um Einlass bittet. Der den Schlaf zur Seite drängt und den Sexappeal hervorkitzelt. Der die Laune in müffelnde Kellergewölbe unter Sorgenbunker schickt und erst nach drei Stunden Karzer wieder in die Sonne lässt, so die dann noch scheint. Der Horizonte aus dem Ärmel schüttelnd eine Sehnsucht zu schüren weiß, die bei Erstkontakt spontane Atemlähmung verursacht und später dann erst Gänsehaut. Fehlt nur noch der erste Schritt, aber da ist er dann plötzlich wieder schüchtern.