Gestik

Gottlobe hieß sie und sie sang Sopran*

 

Die Synapsen heute morgen etwas schärfer rasiert, so dass die Epidermis die fehlende Wärme der Veneninnenhaut nahezu überkompensiert. Frost sei keine Alternative, hüstelt er später beim Schuhe binden auch seiner Kniescheibe ins angespitzte linke Ohr, das zwischen zwei losen Fäden seiner Lieblingsjeans hervorragt. Die nickt vordergründig zustimmend, lacht ihr kehliges Lachen und träumt ihren allwinterlichen Traum vom Nerzmuff in lachsrosé, den nur die Wade kennt und stets um den passenden Schienbeinschoner erweitert.

Ein energischer Ruck des Kinns Richtung Bauchnabel verkürzt nicht nur den Hals optisch, ihn selbst macht es buttermilchlüsterne fünfzehn Jahre jünger, seine Mundwinkel weich, seine Oberschenkel kräftig. Ihm macht es den allzu lange bereits stiefmütterlich behandelten Magen bewusst, füllt seine Lungen im Reflex mit blattlosem Sturmluftgemisch, färbt seine Fingernägel solidarnoscrot, sperrt den Herbst zumindest für Sekunden aus. Ihn macht es die Augen schließen, um den Fischen, die scheintot auf Bordsteinkanten das Stehen auf einem Tanzbein üben, endlich die neuen Partituren zu entlocken.

 

 

Edit: *Die Muse diesen Beitrags

Gestik

Next one please

Das Gießen beansprucht P. zur Zeit ja wieder als einzig und allein ihm zustehende Tätigkeit. (Als ob ich sie ihm je ernsthaft streitig gemacht hätte.)

Das Gehen übernehme dafür mal wieder ich. Aus dringend bestimmt werden wollenden Gründen für nachträglich leicht zu bestimmende Zeit in ein ganz bestimmtes Blaugrün: Adieu!

Sonntagsedit: Es nervt und es nervt und es nervt. ES, dieses sonnentrunkene, noch bei fortgeschrittenem Verfaulungsprozeß lächelnde. ES, dieses kompromisslos umzäunende, ja menschhoch ummauernde. Von wegen trockenem Bruchsteinbau. Drei Sack Zement auf jeden Höhenzentimeter!
Wenn es doch nur Wut wäre, saubere, zielgerichtet zuschlagende Wut, aber nein es bleibt bei verzweifelter Reizbarkeit, Mehr-als-Hochspannung ohne gelbem Warnschild dafür mit Schaum vor dem Mund. Heimatlose Wanderfalken hinter der fliehenden Stirn und doch nur Einöde soweit das Auge das Lid hebt.