Gestik

Trotz Zahnbruch konjunktivlos

Unter dem Kopf ein Hals, der nicht vollzukriegen. Unter der Jacke ein Frost, der nicht flieht. Und unter den Zehen Nägel, eimerweise. Da hilft es den übergewichtigen Kehlkopf in den Nacken zu schmiegen, den Blick gen Baumwipfel zu richten und die CO2-Produktion zu verdoppeln. Minutenlang nach Kräften, bis der Himmel algenverhangen das Handtuch schmeißt und hinter der nächstgelegenen Kastanie in Deckung geht. Dann erst jubeln. Radebrechen. Schließlich: allumfassend lächeln.

Eine konjunktivlose Szene schreibend eine Ankunft erfinden, ausfindig machen jenseits aller Kurvendiskussionen, endlich einmal hemmungslos emotional, bauchnabelzentriert. Dasein. Wohlfühlen. Ja, das ist zu viel verlangt, bei Weitem, gar dreist! Aber immerhin: authentisch. Gefüllt dabei bis zur letzten Sekunde die 86400 des Tages: Ewig lockt der Müßiggang und die Seele räuspert sich Pusteln schlagend. Die Buchhaltung klagt, die Kostenrechnung bliebe auf der Strecke, Effizienz würde vermisst und obendrein stünde der Beweis eines Alleinstellungsmerkmals noch aus.

Wirksamen Trost in Einzeldosen diskret verpackt hinter dem Ohr zu tragen empfiehlt sich nahezu rund um die Uhr. Regelmäßiges Atmen nicht vergessen, möglichst synchron beide Nasenlöcher zu 50% beteiligen. Und das Träumen auf ein Minimum reduzieren, auf dass nächtliche Schweißabsonderungen der Vergangenheit angehören. Prioritäten setzen, Rastplätze aufstöbern und bei jeder, wirklich jeder Gelegenheit, Nase und Lippen frei rubbeln, die Wimpern hoch stülpen und das Kinn trotz sichtbar keimendem Pickel Richtung Horizont strecken.

Gestik

Restless Legs

Noch weinend, dem Tag beim ersten Blinzeln ins Gesicht gespuckt ohne die Lippen auseinander genommen zu haben, von den Zähnen erst gar nicht gesprochen. Warum denn jetzt noch einer und warum nach einer solchen Nacht, wenn die Wut einen auf dicke Hose machend Vokuhila trägt und das Selbstmitleid bis in die Wimpernspitzen bewaffnet keine Nebenbuhler duldet.

Die Brillantine-geschniegelten Pedalen saugen die vom Fahrtwind zersiebte Spreu des frühmorgendlichen Lichts mühelos unter die Fersen, treten sie ohne jegliches Zögern in ihrer Stampede der nächsten Pfütze anheim. Ohne viel Liebe oder Arrangement erkennt der Schweiß- den Tränentropfen als Gleichgesinnten an: wir sind Saft von deinem Saft, mother earth, wir entstammen alle der gleichen Presse, wir dienen alle dem selben Leib.

Wir schlucken, was geräuschlos oder doch -arm durch die Kehle passt und das Flüssigkeitsreservoir laut Packungsbeilage aufzufüllen vermag, dem feuchtkalten Atem der mit der Nacht sich zurückziehenden Nebelschwaden die Poren auf Fingern und Wangen erwartungsvoll entgegenstreckend.

How? Den eigenen Speichel nur ungern abtreten, vorzugsweise aber wiederkäuen und schlucken. Auch das Geschrei des Arms schlucken, der zwei Fangopackungen wider besseres Wissen entgegenfiebert, kundigen Fingerbeeren, die ihn erweichen sollen, den Mut zu eigenen Tränen einflüsternd. Noch zwei Blocks vorwärts treten und sich nicht von roten, schon gar nicht von gelben Ampeln blenden lassen, stattdessen den Oberschenkeln Prämien versprechen für jede gewonnene Zeiteinheit.

Subtil wie Schleichwerbung sich trotz Zweirad zwischen den keuchenden Waden als Fußgänger ausgebend über Brücken mogeln, die den übrigen Verkehr in beeindruckender Absolutheit stocken lassen. Kopfwendend der Kapuze drei bis vier Lächeln abtrotzen und diese, Sinuskurven imitierend, an grimmige Hauptstädter verteilen. Hoffen, dass vielleicht eines sich traut, statt von der Außenhaut aus Fremdgemüter, die Binnenräume zu erhellen.

Den Tag ausdrücklich nicht willkommen heißend die Synapsen das Fehlen benötigter Botenstoffe durch knifflige Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit der Zähmung stadteinwärts rückender Wildschweinrudel vergessen machen. Überhaupt, nicht zu nah rantreten an diese noch allzu jungen 24 Stunden, in Bewegung bleiben, die Faustbälle stets einsatzbereit in der Tasche.