Gestik

Auf dem letzten Loch

Dem Sonnenlicht geht wieder mal die Puste aus, es röchelt in immer kürzer werdenden Abständen. Die Jahresendzeitluft flockt, der Ekel paart sich mit Notwendigkeiten, die Ahnung aber geht flöten. Es reihen sich Termine, die keiner haben will, von geordnetem Anstehen in großzügigen Schlangenlinien scheinen sie noch nie gehört zu haben. Der linke Arm schreit laut und lauter, umarmungshindernd, schlafzerstörend, aber bis auf weiteres unabnehmbar untröstlich.

Zerbeulten Fingernagels gezählte Kleinstmünzen rappeln nass gelutscht weit weniger als trocken geföhnt, ungerührt zerfetzt der nächtliche Sturm das aufgesparte Lächeln. Nachmittags ist die morgens bereits arg knappe Kraft im Rückenwind der warmen Suppe einige Stunden immerhin spürbar, abends – und der beginnt heuer bereits ab 17 Uhr – ist sie aus. Es bleibt der Atem für die Nacht, der Kohlen Staub durch die Nasenflügel gefiltert.

Unter rotweißkarierten Federbetten, die so schwer, dass kein Vogel imaginiert werden kann, nicht im tiefsten Traum, auch nicht im gemeinsam geträumten, der mit solch bleiernem Federkleide zu fliegen vermöge, wird einem weiteren Morgen entgegen geschlafen. Unmotiviert, aber routiniert jedem Streikversuch den Wind aus den Flanell-Segeln nehmend. Die Sterne sind nicht aus dem Sortiment genommen, es wurde dem Markt entsprechend umdekoriert.

Gestik

Gottlobe hieß sie und sie sang Sopran*

 

Die Synapsen heute morgen etwas schärfer rasiert, so dass die Epidermis die fehlende Wärme der Veneninnenhaut nahezu überkompensiert. Frost sei keine Alternative, hüstelt er später beim Schuhe binden auch seiner Kniescheibe ins angespitzte linke Ohr, das zwischen zwei losen Fäden seiner Lieblingsjeans hervorragt. Die nickt vordergründig zustimmend, lacht ihr kehliges Lachen und träumt ihren allwinterlichen Traum vom Nerzmuff in lachsrosé, den nur die Wade kennt und stets um den passenden Schienbeinschoner erweitert.

Ein energischer Ruck des Kinns Richtung Bauchnabel verkürzt nicht nur den Hals optisch, ihn selbst macht es buttermilchlüsterne fünfzehn Jahre jünger, seine Mundwinkel weich, seine Oberschenkel kräftig. Ihm macht es den allzu lange bereits stiefmütterlich behandelten Magen bewusst, füllt seine Lungen im Reflex mit blattlosem Sturmluftgemisch, färbt seine Fingernägel solidarnoscrot, sperrt den Herbst zumindest für Sekunden aus. Ihn macht es die Augen schließen, um den Fischen, die scheintot auf Bordsteinkanten das Stehen auf einem Tanzbein üben, endlich die neuen Partituren zu entlocken.

 

 

Edit: *Die Muse diesen Beitrags