Gelüste

In die Ecke dich schmiegen

Zur Ruhe mit dir, das Ohr auf Abstand zur Welt, die ihren Blutdruck zu lange unbeobachtet ließ. Zur Ruhe mit dir, auf das Gleis, das längst stillgelegt, auf das Kissen, das dir Bettstatt und Komplize im Anlehnen an etwas, das weichgeblieben war.

In die Ecke mit dir, dort wo Scham und Schatten sich um die Unsichtbarkeit balgen, wo das Licht traditionell Hausverbot, der Staub heimlich Atem holt und Wasser und Winkel kehrt machen. Kante an Kante schmiegen üben und stapeln, was sich nicht biegen lässt: Dich und alle deine Blößen, die dir gefolgt sind.

Außer Gefecht gesetzt die Regeln und Randale, die du hinter deiner Stirn birgst, wie ein Schild gegen das Unvermeidliche, das Wilde und Rasende. Dem Rausch den Ton abgestellt, der Flut die Gischt und nur mehr der Ebbe Zutritt gewährt, der Ebbe die den Rückwärtsgang zelebriert als wäre dein Rücken deine Brust, die zum Anlehnen einlädt. Hold on.

Zur Ruhe | Anne Seubert

Allgemein

Neben mir aber das Auge und eine Wimper im Sturm

Two Bikes & a Door | © Anne Seubert

Unschuldig wie die Nacht,
die um viertel nach acht schon,
den Rilke mit der Musik, die senkrecht steht,
und die dich jedesmal,
aber lassen wir das.
diese Nacht jedenfalls,
die nicht fragt, sondern dunkelt.

Unausweichlich wie der Sturm,
den das Auge zwischen den Wimpern trägt,
bereit, beim ersten Blinzeln
das Unwetter um die Ecke zu bringen und
dir in den Schoß zu legen, so
wie ein Lächeln an die Hand zu geben,
und dann schlägst du plötzlich die Augen auf.

Unvernünftig wie das Wasser,
das du in den Wein gießt statt am Rad zu drehen
und so die Zeit am Vergehen zu hindern.
Du sagst, jeder Moment sei so gut wie der nächste,
bevor du ihn kennenlernst, er dich mitnimmt,
und das Wasser im Wein macht keine Anstalten
zu fliehen, dabei wäre doch jetzt ein Platz neben mir frei.