Gelüste

Tag der Zarten, der sich im Himmel noch Verlaufenden

Tag der Zarten und zärtlich Neckenden,
der Hauchenden und Streichelnden,
der am seidenen Faden nistenden und
dem am Tautropfen nippenden.

Tag der morgens Errötenden und der
Verblassenden noch beim leisesten Spott,
der sich ankündigende Wunder kuratierenden
und der Schattenrisse flickenden.

Tag der Zurückbleibenden und -haltenden,
der sich im Nebel auflösenden und im Wasser
verschwimmenden, als wäre die Welle Wind,
der durch die Fasern fährt, als wäre Nichts das,
was bleibt, wenn die Zeit zwischen unseren Fingerkuppen schmilzt.

Tag der Sanftmütigen und Linderung verheißenden,
der Blinzelnden und Scheuen, derer, die ihre Wange
wehmütig dem Regen anheim gebenden für einen Kuss,
der so flüchtig, so zart, so zärtlich, so Flügel sich verlegen
flatternd von einer Seite auf die andere flüchten lassend.

Tag der Anbrechenden, der an der Dämmerung zerbrechenden,
der sich im Kreis an das Kurveninnere schmiegenden,
der noch im tiefsten Zweifel Hoffnung zwischen den Dunkelheiten aufspürenden,
der Tastenden und Weichenden, der Milchglasscheiben austrinken wollenden,

Tag der Verweilenden und die Liebe kosenden. Tag derer, die werden, während der Augenblick sich aus dem Staub macht und die Landebrücke die Beine hochzieht. Tag der sich im Himmel noch verlaufenden.

Gegenwart

Maurerbrause

Gesichter wie Landschaften | © Anne Seubert

Mühsal und Maurerbrause, Kaffee und Kassensturz? So einfach ist es nicht, deine Welt zum Einsturz zu bringen, im Gegenteil, du singst den Refrain noch als wir vom Hof fahren und rückwärts ausparkend fast den Torpfosten köpfen, Dickschädel, schmunzelst du und weisst um den Preise der nicht abgeschlossenen Versicherung.

Sicherheit und Sandkuchen, Nordsee und Nieselregen, es waren gute Zeiten,  vor allem die zwischen der Wut und den Zärtlichkeiten, die in dir aufwallten, sobald du den Pony aus der Stirn gepustet und die Sonnenbrille ans Schlüsselbrett gedrückt hattest, möge der Suchende finden und der Barmherzige Herzzeitlose finden, in Not, auch wenn sie das Gegenteil behaupten und den Nieselregen als Lappalie abtun.

Landei und Leadership, Gendergap und Germknödel, es ist nicht alles eine Frage der Großbuchstaben, manches entscheidet sich vom Ende her und das hat häufig mehr Anfang in sich, als ihm lieb ist und selten ein Lächeln per default im Gesicht. Dein Gesicht aber lese ich wie einen Reiseführer durch eine Landschaft, deren Gegenwart noch bevorsteht und deren Highlight ein unterirdisches ist, für das deine Augen offen stehen, zumindest tagsüber.