Gedanken

Ich spaziere gern über Lust.

Tape that | © Anne Seubert

Ich spaziere gern über Lust.
Ich lerne oft zum falschen Zeitpunkt.
Ich weine auch im Sommer.
Ich leiste liegend Widerstand.

Ich denke bei Schmerzen an Wunder.
Ich wage lieber Schönes als Neues.
Ich esse am liebsten mit den Händen.
Ich rege mich an statt auf.

Ich lese vor wie andere nach.
Ich stehe gern am Fuße der Frage.
Ich buchstabiere auch Zahlen.
Ich umarme deine Lügen.

Ich brauche mehr Wasser als Wein.
Ich werde schneller blass als rot.
Ich liege nicht immer aber gern am Strand.
Ich entscheide mich gern dafür.

Ich suche die Guten.
Ich sehe die Gefahren.
Ich lüge in Taschen und Jutebeutel.
Ich lache deutlich.

Ich mache den Punkt vor dem Komma und trage das Ass im Hosenbein, kurz unterm Knie. Wade frei!

Gemäuer

Stellenausschreibung

 Privatgrundstück | © Anne Seubert

Unter der Hand reiche ich dir die Koordinaten:
Gehe und suche die Stille, die der Atem birgt, wenn er Nanometer nur über der Haut zum Stehen kommt, am Hang einer Mulde, die du hinter dem Ohr trägst.

Schauern.

Auf den Kopf stell ich deinen Gedanken, den du mit dir trägst, seit du die Augen geöffnet und das Laken gehoben hattest, Zeit, ihn den Handstand üben zu lassen, meinetwegen für den Anfang noch gegen die Wand. Zeit auch, deinem Sehnen einen Hut aufzustellen, in den jeder Sonnenstrahl einzahlen darf, wenn er mag.

Sonnen.

Oder sünnele, wie der Alemanne in mir denkt und unwillkürlich schmunzelt. Es gibt sie, diese Stellen, die die Sonne die kennenlernen wird, die das Haar verdunkelt, oder die Scham. Stellen, die innen liegen, am Gaumen, am Innenschenkel oder eben in Mulden, die zittern, wenn dein Atem zu nahe kommt, oder ein Finger auf eine Brotzeit Halt macht. Halt ein, möchte ich dir lautlos zu verstehen geben und frage mich ob das nicht sichtbare Beben eine Sprache spricht, derer du mächtig und willig.