Gedanken

Angst schläft nackt.

Angst hat Vorfahrt, auch von links.
Angst hat fünf Buchstaben, davon vier Konsonanten.
Angst schluckt sich besser als dass es sich ausspricht.

Angst ist dicker als Furcht, hat Haare unter den Achseln und ein gebärfreudiges Becken.
Angst hat keine Manieren aber ein lautes Organ.
Angst war schlecht in der Schule aber gut in Mathe und Klassensprecher.

Angst schreibt keine Liebesbriefe.
Angst isst im Gehen und liebt Schokolade.
Angst kriegt keine Rente.

Angst spricht mit vollem Mund.
Angst fragt nie nach dem Weg.
Angst schläft nackt.

Angst sagt nie “man” sondern “ich”.
Angst braucht kein Attest und verhütet auch nicht.
Angst freut sich aufs Alter.

Angst folgt nicht, Angst führt.
Angst kann Spuren lesen und Feuer machen.
Angst macht weder Yoga noch Pilates, Angst segelt.

Angst ist kein Adventskalender.

Gelüste

Wir sehen uns wieder

Balcony into the Woods | © Anne Seubert

Wir stellen uns vor

Einen Landsitz jenseits der Städte, mit heimlichen Lichtungen und einem Gartentor zum Wald der ungefragten Fragen.
Einen Landsitz mit dem Strand der nackten Füße im Rücken und dem Sonnenuntergang an lauwarmem Gräserduft serviert.
Einen Landsitz unter einem Emil-Nolde-Himmel, mit moosigen Steppen und einem schüchternen Horizont.
Einen Landsitz mit Säulengängen auch umgeben, Säulen wie Schenkel, zwischen denen das Land lockt, und schwelgt und dich in die Arme nimmt, wannimmer du den Blick schweifen lässt.

Wir fragen uns

In welchem Regal in der Bibliothek würdest du dein Bett aufstellen?
Welchem Meer würdest du gerne auf den Grund gehen?
Welche Hoffnung lässt du niemals fahren?
Wen meinst du wenn du “wir” sagst?
Wovon nimmst du den Mund hin und wieder zu voll?
Welcher Geruch macht dir weiche Knie?
Welche Idee liegt bei dir auf Eis?

Wir erlauben uns

Poetisch zu denken & zu handeln.
Unvollkommenheit & Narben.
Unsicherheit & Mut.
Zweite Hilfe & Dritte Männer.
Schwarzen Tee mit drei Stück Zucker.

Wir sehen uns wieder.