Generika

Eingeboren & Aufgewachsen

Croissanterie, Berlin | © Anne Seubert

Eingeboren in einen Traum, der deinem Verstand das Wasser reicht und mir die Schlüssel, ist dein Kummer einer, der mir sein Herz ausschüttet, noch ehe wir schlafen gegangen waren, und ohne dabei Los auch nur zu touchieren.

Zu lange wach, um noch Tränen ausformulieren zu können.
Zu lange trocken, um noch austrinken zu können.
Zu lange auf der Stelle, um noch zu tanzen.

Erfahren in der Kunst der Pilgerschaft, ist dein Kummer einer, der sich selbst wie seinen Nächsten liebt, und doch das Weite sucht, sobald es hell wird. Der dem Leichtgewicht von Gegenüber misstraut, ungern in den Spiegel schaut und lieber die Augen geschlossen hält.

Den Schlag deines Herzens retourniere ich.
Den Mond deiner Nacht halbiere ich.
Die Worte deiner Wunde schließe ich mit doppeltem Punkt und einem Blick unter Wimpern aus Zimt und Seide.

Oben ohne ist dein Kummer einer, dessen Brust zwei Herzen mindestens und dessen Wangen hohl, ist dein Kummer einer, bei dem mir die Sprache fremd und die Luft knapp wird: Wie atmen in einer Welt ohne Boden, in einem Wasser ohne Land, in einer Nacht ohne Mitte?

Lass mich ein Mond sein, der dir das Wasser aus der Brust zieht
Lass mich die Bucht sein, in der du deinen Schatten ankerst,
Lass mich der Speck sein, in den sich dein Kummer verwandelt, sobald du aufhörst zu weinen.

Gegenwart

nächtens only

By the Sea | © Anne Seubert

Wenn ich ein Wasser wär, flöss’ ich in dein Meer,
flöss’ ich bei Ebbe dir zu Füßen,
flöss’ ich bei Flut dir um die Knie in dein Meer, deinen Strand mitnehmend für eine Insel,
unerreichbar am Horizont.

Wenn ich ein Wasser wär, trüge ich dich bis ans Ende aller Wellen, da wo die Stille sich streckt und die Gedanken hörbar,
trüge ich dich ins Buch aller Bücher und
über die letzte Seite hinaus auf meinem Rücken in ein Meer, das gerade fliegen lernt.

Wenn ich ein Wasser wär, tränke ich dich in Schlucken,
tränkte ich dich mit meinen Salzen und Süßen,
tränke ich dich über den Durst hinaus in Scharen und Scheinehen über die Schwelle des Himmels, der für alle offen.

Wenn ich ein Wasser wär, regnete ich für dich nächtens only,
regnete ich für dich aus Wolkentürmen, so hoch, dir würde schwindelig beim bloßen Anblick,
regnete ich für dich in Fäden, die von Hand gebunden, so fein sich an deine Haut schmiegend, einen Glanz spürbar werden lassend, so feucht wie golden.