Gelüste

Der Fisch am Ende der Strasse

Nonnenmattweiher, Schwarzwald | © Anne Seubert

Straßen können einen nur an bekannte Plätze bringen, Worte weit darüber hinaus, sagst du, und schließt die Augen, Blicke aber können töten und deine Augen, die erwecken die Toten wieder zum Leben. Diese Augen, die eben noch zärtlichste Zeugen meines linken Schulterblattes, wie es sich unter der Sonne rötete. Rötete und damit alle Haut in Wallung brachte, in Hab-Acht-Stellung, unter Strom.

Strom, der fließt, wenn alle Wolken trächtig dümpeln, wenn alle Himmel heilig, wenn alles Worte ad acta, dann fließt, was da barfuß dich zum Schauern bringt, egal was der Regenradar kündet. Kündet und kaut, wieder und wieder berechnet, was da Wolke, was Sturm und was ein Landunter, das dich Schutz suchen lässt. Schutz, der einzig dir geboten, da wo du nackt dich stellst, die Augen geschlossen.

Schluss ist immer am Ende der Strasse, da wo das Haus am See steht und der Fluchtpunkt Schmiere für eine Perspektive über alle Wendekreise hinaus auf den See, den du siehst, auch mit geschlossenen Augen. Dann erst recht, wirfst du ein, zu Recht und das Ruder bereits über der Schulter, das Boot am Haken und den Fisch in der Pfanne. Heute ist Freitag!

Gemäuer

Der vorletzte Moment

Abandoned, Heilstätten Beelitz | © Anne Seubert

Zeit, du flüchtiges, du hochverehrtes, hochbetagtes, hochbegabtes Wesen, lass dich anschauen!
Lass dir dieses Stündlein schlagen und diesen Moment servieren, den vorletzten, den, den keiner will, weil alle auf den allerletzten aufspringen wollen.

Zeit, hast du lange warten müssen? Hast du dir Raum und Fenster mitgebracht und Schnittchen?
Lass dich gegen den Strich bürsten und streicheln, zur Brust nehmen und dir die Sonnenbrille abnehmen, lass dich fallen und über die Schwelle tragen: Lass dich ansehen, nur du und ich und ein paar Jahre, die ins Land gegangen waren.

Lass dich zurückdrehen und vorspulen , lass dich ein und aus und vergessen: Du hast mir gefehlt, weisst du das? Du warst mir mal nahe und vertraut, ich wusste alles von dir auf die Minute genau, du stopptest mich nie und dann war es plötzlich leise geworden um dich. Nicht dass ich dich vergessen hätte.

Heute aber lass ich dich von der Leine, lass dich zögern, zappeln und springen: Ich will dich verschenken, verschwenden, verteufeln und vor Gott und der Welt nehmen mit allem was mir zu Kopf steigt, wenn ich im Moment und du bei mir bist.