Gegenwart

Coming of Age

Vermietet (Berlin) | © Anne Seubert

 

du gibst der sprache die brust, welt,
wie einem hungernden kind
moment für moment flösst du durch meerengen einem see entgegen,
der den horizont in die diagonale schwärmen und den himmel
senkrecht stehen lässt, aus purer flugangst.

du labst noch den blick, den du fürchtest, welt
legst waffen nieder ehe du erwachst, ehe sie geschmiedet, ehe die sonne die füße aus dem bett
und unter deinen tisch gesteckt hätte,
solange das feuer heiss und der wille weich wie
der regen, den du geborgen hälst für tage
trocken wie diese.

dein traum hat federn gelassen, welt, du schlafwandelst
im hellen noch unter den nackten ballen den schlafsand der vergangenen,
flüchtig gewordenen nacht zur untermiete und
knirschst vergnügt mit den zehen, vers für vers verdrückend,
mit dem appetit einer heranwachsenden, die die schuhe stehen und
die augen weit geöffnet:  wirst du bitte nie erwachsen?

Gelüste

Schattenspielgefährten unter sich

Mauern, Fläming | © Anne Seubert

Und wäre ich eine Mauer, du versenktest mich stande pedes im Meer,
wärfest mir den trunkensten Sonnenuntergang an die Wand, allen
Schatten zu Füßen, Stein um Stein in Tiramisu umwandelnd, bis der Löffel
den Weg zwischen den Sonnenstrahlen an deine Lippen alleine findet.

Du hast Kerzen mitgebracht und deine Locken, die ich mir eine nach der anderen
um den Finger wickele, nur um dann dann mit beiden Händen einzutauchen:
Da wo dein Nacken sich sträubt, werde ich nackt,
da wo dein Duft auftaucht, tauche ich ab, Nasenspitze voran.

Als ich wiederauftauche, hat deine Hüfte ihre Schüchternheit überwunden,
ankert wo brachliegt, was ich zugeknöpft hatte: Das Feld zwischen Nabel und Weltenrand,
nur eine Fingerspitze von der Realität entfernt, bereit zu atmen wenn Luft wieder an Bord
und du aus Wimpern Segel schmiedend, den Blick Zentimeter um Zentimeter lüftend:
Lasset uns überborden, den Traum adeln, die Schatten Lambada lehren und den Soundtrack in Auftrag geben!