Gemäuer

Mit dem Rücken zum Meer

River of Not yet there, Aquitaine | Anne Seubert

leg deinen blick mir auf die nackten schultern, ich trag ihn ein stück. ein stück überland. ein stück am fluss entlang. ein stück bergauf.

leg an, was dich fließen macht und weich, ich pflanz ihm einen baum zur seite, wetter und wind in moos verwandelnd.

leg dich ganz in meinen schatten für minuten zwischen zenit und dämmerung, vollmond und zapfenstreich, für einen sommer mindestens und ein haus mit dem rücken zum meer.

 

 

 

Gegenwart

Schatten, Schere, Grünschnitt

Grünstich | © Anne Seubert

raketenstart hingelegt, den planet b im visier,
um dann im landeanflug erst fahrt aufnehmend
den himmel links liegen zu lassen
und mit der notbremse zu flirten.

den zweifeln halt gegeben, dem ziel eine abfuhr
der gegenwart fersenfeuer und dem traum eine suite:
um einen horizont lungernde wolken, ein meer aus blütenblättern
und eine ottomane am fenster

im taumel ein glas zu viel getrunken,
eins auf ex
eins mit dem nachbarn
und eins gegen den durst,
der sich die stille schnappte und zum tanz entführte.

endlich gewicht abgeworfen, dann das kleid und den schild abgelegt,
das telefon lautlos, den rückwärtsgang außer gefecht
boden locker gemacht für eine ankunft unter sternen,
deren krume ausreichend luft nach oben lässt.

grün sein, allen neunen und dir,
der sonne auf dem heißen blechdach
und dem schatten, den du mir in den schoß wirfst.