Gelage

das Übliche: 28 Tage

Dem Wort die Stirn bieten,
wie einem nackten Freund
das Handtuch,
Reibungsfläche, Schutz und Halt zugleich.

Der Blick nach oben offenbart

am Himmel Sterne,
liegengeblieben vom letzten Firmament;
der Mond hat sich längst zurückgezogen,
das Übliche: 28 Tage Schweigen
bis zum nächsten Rund.

Ein Schatten wagt es
in der Stille zwischen Himmel und Erde
eine Dämmerung auszubreiten,
in der sich Gott und die Welt
Gute Nacht sagen könnten,
wären Worte wieder verwundbar.

So heisst es: In der Stille Baden gehen!

Geliebte

Häuptling Nachwachsendes Herz

Feldstecher | © Anne Seubert

Das Unbegriffene zum Anlass nehmend,
wächst das angegriffene Herz über sich hinaus,
glückt das Gedicht im zweiten Anlauf,
auf mehreren Ebenen.

Der Grund ist ein anderer,
verrät erst in glaskugelrunder Tiefe der See,
in dem das Wasser sich teilt in Ebbe und Flut,
wo du zu strahlen beginnst.

In Ermangelung eines Meeres
wächst das Fernweh prompt ins Unersättliche:
den Abschied zu päppeln, das Licht höher zu hängen,
den Grund tiefer zu legen und die Sprache auf’s Kreuz:

Noch am Strand in Sprunghaft genommen
ersinnt das nachwachsende Herz somnambul
einen leuchtenden Garten,
der dein Rückgrat erklimmt und so voller Zärtlichkeit noch jede Böschung sprengt:

Wenn ich in deinem Körper Urlaub plante, wo würde die Reise hingehen?