Gelage

Contenance, Piepmatz!

Insidement | Anne Seubert

Inwendig schaltet der Knüppel drei Gänge höher als dein Name fällt, verschluckt die sorgsam vorbereitete Replik, versemmelt das Abitur noch vor der Mündlichen und legt die Mascara umrandeten Wimpern auf’s Kreuz. Das Kreuz, das die Beine breit macht für eine Karaffe Contenance auf Eis, wohlwissend, dass du das Gehäuse knacksicher im Ohr, den Blick auf 9 Uhr und den Finger am Abzug.

Drinnen nur Telemark, radebrecht die Kanüle und durchdringt das Fetzchen Haut noch bei Tagesanbruch, dem Finger das linke Hüftbein zuweisend, auch wenn der weder zeigt noch hält aber alles verspricht, was auch nur ansatzweise Rhythmus im Blut. Gelandet schmeckt auch dein Blick, Verkostung auf Nachfrage verrät das Revolverblatt, das der Gürtel nur widerwillig blosslegt.

Als das zweite Loch aufspringt, ist es um ihn geschehen, Teilzeit hin oder her, gepfiffen auf Rede und Freiheit, auf Takt und Gefühl, auf Lasten und Heft. Der Nabel zentriert, ist der Leib unser und der Leselampen nie genug, um dich von Kopf bis Fuß über die Reling zu halftern! Halt ein, der Preis beinhaltet auch ein Getränk, das zu teilen, weil du fertig und ich im Blick die Runde auf’s Haus, die du schmeisst und ich ausgebe.

Gelage

Ordentlich Milch vor der Hütte

Milchbar | c Anne Seubert

Du machst es uns heuer wieder arg leicht, dich zu lieben, City-Babe. Jede deiner Wände ein Motiv, jede deiner Strassen ein Gedicht, jeder deiner Kieze ein Protagonist. Man möchte dir Bierdosen aufs Fenstersims parken, Geschichten auf den verkehrsundurchlässigen Leib schreiben, die BVG ans Revers heften, Songs unter die Hutkrempe tackern.

Wir treffen uns an der Milchbar, hattest du in deiner Einladung geschrieben und ich war den Schienen gefolgt, die den Wagen zu dir brachten, denn alleine würden wir nicht sein. Du hattest nichts von Dresscode geschrieben, aber dich rausgeputzt, Understatement wie stets, aber hey, jeder Stein frisch aus dem Ofen und so was von auf Kante und dieser Schriftzug: ein echter Hingucker!

Ich blieb draussen, genoss dich im Licht- und Schattenspiel und wartete heimlich auf die Mittagspause und ein paar verstohlene Minuten allein mit dir, aber Pustekuchen, du stahlst allem Lunch die Show und uns die Stille, aus der wir hätten machen können, was das Programm verschwiegen hatte. Der Kaffee geht auf’ s Haus, will eine Stimme ablenken, nicht ahnend, wer hier Haus, wer Hof, aber ordentlich Milch vor der Hütte.