Gegenwart

Mise en place I

Make Type Not War |

Mise en place zwischen Wenn und Dann, das Und an die Stirn, das Aber backbord, die Kommata auf die Warteliste lehnst du auf der 12. Du sagst kein Wort, das du nicht hälst, bis es alleine steht. Wohl dem der zwei Beine, flüsterst du, eins zum Stehen, eins zum Spielen und Knie und Hüfte um zwischen beidem zu unterscheiden.

Kinnzentriert hast du die Teller deinen Gästen serviert, geleert bis auf den letzten Krümel, es solle keiner sich auch nur zum Räuspern gereizt fühlen. En contraire. Jedes R hat eine eigene Serviette, blütenrein, silberbereift, rechts vom Teller, schritthaltend mit der zur Tischmitte abschließenden Goldkante.

Mahlzeit war gestern, hier wird abserviert, verabschiedet und Platte gemacht. Wer schweigt, fliegt ein paar Tische weiter, an der der Kelch vorüberging, den du zu füllen versäumt hattest. Vergessen ist Pflicht, Gewissen geduldet, das Ruhekissen kommt als Gruß aus der Küche, mit Lavendel- Ganache und Brandflecken.

Gelage

Aller Welten Fluss

Fließen | © Anne Seubert

“There is a lot of life in your weakness.”

Dein Licht macht heuer früher Feierabend und du legst mir den Boden zu Füßen, Welt, ich wage kaum ihn zu betreten, er fließt. Fließt zwischen allem, was du mir auf die Zeilen gepackt hast, was Wurzeln wagt und Wildheit auf Kante trägt, fließt zwischen allen Möglichkeiten dahin, als gebe es kein Ufer, keine Ankunft, nur die offene See.

Sieht nicht rechts nicht links, nicht oben, nicht unten, sieht nicht mich, nicht dich, nur das Wasser, das sich wellt, mit einer Anmut, als fädele die Sonne selbst, als hätten Sonne und Mond sich verbündet, als wäre das Wasser selbst Welle und die Welle warmer Sand, tahinigleich, gegossen um zu fließen: Gleissende Substanz zwischen Wonne und Wehr.

Wehrt sich nicht sondern gibt sich hin statt her, dunkelweich und bitter wie das Salz, das du schöpfst, wenn du deine Seen trocken legst, Welt, die du dich schmiegst an diese Welle, dein Haus baust an diese Welle, Teil sein willst dieser Welle, die nichts teilt, alles nimmt und nichts behält als die Ruhe des Schwächeren, der da fließt statt zu trotzen, der das Licht aufnimmt statt zu reflektieren, der die Dunkelheit baden gehen lässt statt zu landen.