Geliebte

Mit offenen Hemden und Herzen

Wir halten Herzen
nicht Hände
einander
auf
offen hoffend

Wir halten die Herzen
nicht die Hände
einander
auf
offenbarend
was in ihnen
steht

auch wenn
oder gerade dann, wenn
Krieg droht
und Flaute
Inflation
und Kälte

wenn keine
Hände in Sicht
die Herzen
zusammen zu halten
im Stande wären
die halten
was sie zu fassen kriegen
und das bist nicht du
sind nicht wir
sind wir nicht
die wir kaum mehr
als eine Ahnung
und alles andere
als eine Ahnung
aber nicht greifbar
jedenfalls

wir ahnen
unsere Herzen
sie halten
ganz
von allein
unseren Blicken stand
und zusammen

wir wissen
mit offen
stehenden Hemden wie Herzen
Himmeln auch
aber dazu später mehr
wir lagen
so was von richtig

Gegenwart

Zwischenlösung

Zwischen zwei Leben hast du deinen Tod gelegt, ohne deine Zukunft um Erlaubnis gefragt zu haben. Du hast die Kirchenbank geschultert, den Glockenturm geköpft und die Messdiener abgelenkt, und dann kurzerhand die Out-of-Office-Meldung auf Latein übersetzt.

Zwischen zwei Tagewerke hast du eine Nacht gesät, die erst aufblühen sollte, wenn der Wind sich gelegt und die Emotionen beruhigt hätten. Ein Wolke-Sieben-farbenes Laken hattest du aufgezogen, am Bühnenaufgang Walletparking installiert und die Dämmerung um Aufschub gebeten.

Zwischen zwei Säulen hast du die Traglast gebettet, den Boden gar nicht erst um Erlaubnis gebeten, die Fracht eher heimlich verdoppelt: Nöten und Furchteinflößungen eine Heimat angeboten, die sie nicht ablehnen konnten, ein marmornes Grab zu unseren Füßen. Der Himmel dankt dir, indem er dir seine Göttinnen zur Beichte überweist und das Passwort für den Wetterwechsel.