Gemäuer

Kleiderkreisel mit Nick Knatterton

Nick Knatterton | Ales | berlin

Manchmal macht sich ein Gedanke so breit, dass das Leben ausziehen muss. Der Alltag will dann um die Ecke gebracht werden und das Herz blüht auf Halde weiter. Der Plattenteller dreht den Milchreis durch den Entsafter und morgen ist zwar erst Dienstag aber trotzdem schon Ende der Woche. Chips kommen mir nicht in die Tüte, ich setze auf Rote Bete mitohne Meerrettich und Burrata dreifach gebuttert.

Der Junge, der mit mir ankam und sein Rad an die gleiche Laterne band, bevor er das Bistro betrat, in dem ich verabredet war, verließ das Bistro zufällig auch zeitgleich wieder mit mir und empfahl mir beim synchronen Aufschließen unserer Räder jedesmal, wirklich jedesmal die Burrata zu nehmen. Begegnungen, die ich an Berlin liebe, wie den Comic-Laden, dessen Besitzer mir heute aus dem Nähkästchen plaudernd seine 47 Jahre mit Superheldenfans im Schnelldurchlauf durchblätterte und sich dabei als Fred vorstellte.

Manchmal reicht das Klingelschild nicht für all die Namen, die dir das Leben gibt, dann muss es ein Fernsehturm sein. Manchmal will der Mut nicht bis zu Tür, dann muss die Angst vortreten und den ersatzschlüssel rausrücken. Manchmal will das Herz weiter und der Schritt reicht nur bis zur Nabelkante, dann müssen die Schwimmflügel raus. Dream on, wir sehen uns auf der anderen Seite!

Geliebte

Tango Libre: Drei Viertel en Orange

Halensee, Berlin

Wo du Land bin ich das Meer,
wo du Wand, die Tür,
wo du Satz, ich Spiel & Regel zugleich,
wo du Rede, ich Antwort und Frage nach den Punkt-, Komma-, Sprichwörtchen, die dir auf den Lippen und mir im Magen liegen.

Knöpfe dir mein Knie vor, Rock hin oder her, hinterrücks die Kehle auch mit beiden Händen auf einmal, halte, schöpfe, zähle bis 10, bis du lachst und die Finger zur Ferse rennen, sich an den Waden wickelnd wenn schon kein Beispiel dann doch wenigstens Schwung nehmend für die nächste Runde Tango libre.

Achtend halt ein, genieß die Unwucht, das Rad, das Reden schwingend Ruder wird, bis du in sattem Gelb gebadet schweigst, einem Ton, kaum Farbe, mehr Licht, der die Wärme mitbringt, die meinen Orangenhälften fehlte, die ich dir zum Apéro kredenzt hatte, und den Saft, der deine Adern in Flusslaune bringt.

Lass fließen, fluten, durstig werden und wetten, hinter dem nächsten Takt warten drei Viertel mindestens!