Gegenwart

mit dem himmel per du

Himmelssprache |© Nina Hitze
Bild: Nina Hitze

und dann liegst du da und fragst dich, wie weiter in dieser welt, die nicht weiter will. die einfach liegen bleibt und den frühling verschläft, dabei mochte sie den sonst doch immer am liebsten.

und dann liegst du da und siehst die decke, die dir nicht mehr auf den kopf fallen will. die zur landkarte wird, mit ecken, in die sich der staub flüchtete und schatten, die die lampe wirft, wenn du abends das licht hereinbittest.

und dann liegst du da und hörst nichts als stille, die dir immer lieb, jetzt aber zu viel des guten. diese stille, die plötzlich droht statt beruhigt, aufwühlt statt tröstet, die sich eine eigene stimme bastelt, jenseits deiner projektionen.

und dann liegst du da und fragst dich wie weiter in dieser welt, die den anrufbeantworter ausgeschaltet hat und selbst auch nicht ans telefon geht: closed until further notice. die einfach still bleibt, auch wenn dein leib tosen möchte, wellen schlagen. und lippen lesen.

und dann liegst du da und der himmel erzählt dir seine geschichte, die ein märchen sein könnte von 100 und einer nacht und einem morgen danach.

Gemäuer

Kurva non grata

Fenster | © Anne Seubert

Kürvchen,  jetzt hat es dich erwischt. Du warst uns früher schon suspekt, jetzt bist du zur Persona non grata gereift. Ready to kill, oder wie sie bei den Avocados sagen: verzehrbereit.

Scenic Route? Abkürzung!

Zu kurvig, zu konvex, zu rund, zu ausgebeult – ob als nämliche Kurve, Delle, Bäuchlein oder Umweg, die Kurve hatte es nie leicht in unserer Kultur des Geraden und Gerechten, und damit vermeintlich Effektiven. Ob man als Frau sich die ungewollten Dellen aka Cellulite aus den Schenkeln wünschte, als Manager, die Kursschwankungen lieber stabil nach oben weisend oder als Diabetiker, die Blutzuckerwerte ohne Schwankungen imaginierte: Oft blieb die Gerade unerreichbares Ideal, nicht selten mit Frust und Scham verbunden, mitunter sogar Verdrängung und Betrugsversuche nach sich ziehend. Ich sag nur Stützstrümpfe, meine aber auch doppelte Buchführung und unsere Liebe zum Short Cut.

Am Montagabend nahm ich an einer digitalen Montagsmaler-Session teil, liebgewonnene Tradition meiner Corona-bedingten Abend-Alternativen. Ich sollte eine Fluss zeichnen, und zwar möglichst schnell zu erraten um möglichst viele Punkte zu ergattern und möglichst gut, um mich nicht zum Gespött zu machen. Ich wählte die Farbe Blau, den dicken “Stift” und einen kurvigen Verlauf als unverkennbares Kennzeichen eines jeden Flusses in Abgrenzung zum Kanal. Und siehe da, noch ehe ich mit meiner dicken blauen Linie über die Fläche gekurvt war, errieten die ersten Mitspieler das Lösungswort: Fluss, du träge oder schwungvoll kurvendes Nass, in dir möchte ich die Welt umrunden und schließlich Delta-umwoben ins Meer münden.

Und ja, ich darf kommenden Montag wieder mitmalen!

Gerade nochmal die Kurve gekriegt

Und damit zurück zu dir, oft diskutierte, häufig verleumdete, mitunter aber auch zelebrierter Weg, der den Kurs bestimmt, die Hoffnungen nährt oder zerstört und der nicht selten zu einem Ziel führt, wenn auch nicht auf direktem Weg. Als sei die Kurve per se weniger direkt. Ich zum Beispiel duze Kurven grundsätzlich und sorge für meine Quotenkurve beispielsweise als Klammer in den Text geschmuggelt, als locker aus der Hüfte am Flipchart in Szene gesetzten Verve der Konsequenzen dessen, was wir gerade besprechen. Vorzugweise natürlich auf dem Weg nach ganz oben.

Ebenso überzeugst du als Dekolleté der Kurvenstars, als Schmerbauch der Wirtschaftswunderknaben, als gerade nochmal die Kurve kriegender Ausspruch der Erleichterung. Motoradfahrer lieben es, sich in den Schoß deiner Fliehkräfte zu schmiegen und ich erinner mich als Kind an die Autorität der Fieberkurven im Hospital, die teilweise über Gedeih und Verderb entschieden und ich versuchte im Gesicht der Visite habenden Ärzte stets das Urteil vorauszusehen und mich zu wappnen: Würde ich nach Hause gehen dürfen? Nun aber heisst es allseits:

#flattenthecurve

Verflachen ist nicht immer eine gute Idee, den Berg abzutragen hat nicht einmal Sisyphos versucht. Der Konversation zu mehr Flachheit zu verhelfen, well, wer wollte das schon? Ebensowenig ist heuer diese durchaus wertvolle Ausgeglichenheit gemeint, die ja die Absenz der Kurve voraussetzt. Auch nicht gesucht sind Flachlandindianer, der bei dem Aufruf als Role Model in den Sinn kommen könnte, und der seine Wanderschuhe gerne vergisst. Es geht um Risiken und Verbreitung, es geht darum, der Krise den Stecker zu ziehen und das ist gut so.

Bergmassive und Flutwellen, ich gestehe, ihnen wohnt etwas Bedrohliches inne. Naturgewalten kommen gerne kurvenreich daher. Was die Kurve mit dem Bogen gemein hat? Oberflächenspannung möchte man meinen und weiss doch zugleich, Kurvenkompetenz ist nicht das Schlechteste. Wer wären wir, wenn wir dem Schwung nicht zuweilen nachgeben könnten? Nicht so jedoch, wenn es um Risikominimierung geht. Da zählt der Punkt, das Komma, was sag ich, die Stelle nach dem Komma geradezu.

Nur du Kürvchen, du kommst  mir unter die Räder, du, die du die Pubertät nonverbal unmissverständlich anzukündigen weisst, du, die du für Muße und Mäander stehst, für Großzügigkeit und Lässigkeit, für Hingabe und Geborgenheit, und für das schwelgende Pendel des Atems. Komm mir nicht aus der Puste, versprochen?