Gegenwart

übermut und daunenkissen

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dem träumen zwei jahre geschenkt, gut angelegte, genüsslich verschwendete. eins mit schweben verbracht, über den tellerrand gespuckt und den goldrand entlang getänzelt. ein anderes: die augen nicht verschlossen, sondern sehen gemacht. dem bauch ein bett gebaut, das ihn trägt, aus balken, die dem holzwurm zu bitter. zwei jahre dem wunder die hand hingehalten und zugegriffen, wenn sich eins traute. ein jahr dem vielen noch mehr entgegengesetzt, das haar offen getragen und die füße nackt.

es folgte eines im zeichen des abnehmwilligen mondes. deutlich kühler forderte es zwischen den zeichen auf, die schultern wieder zu bedecken und den übermut wenigstens beim nachnamen zu nennen. tee statt kaffee und seilspringen statt knallerbsen-bingo. der wecker hielt sich bereit, aber dank snooze und daunenkissen ließ sich der morgen immer wieder hinauszögern.

irgendwann aber bliest du zum zapfenstreich, riefst den frühling aus und verschwandest noch ehe ich blinzeln mochte. verschärft, dachte ich noch, ich erinnere mich dunkel, nahm abschied von nacht und miederwaren und machte mich an das, was gemeinhin unter aufwachen bekannt. ein langwieriges unterfangen wie sich bald zeigte und ich ohne jedes talent. nur gut, dass du händchen hälst, die trillerpfeife im anschlag, in der luft liegende küsse nur notdürftig verhindernd.

Gedanken

Downstairs

Und dann zeige ich dir noch meinen Hobbykeller, lacht sie und merkt nicht, dass ich längst ausgestiegen bin. Dass ich mit meinen Gedanken längst wieder bei dir bin, das Hintertürchen genommen, drei Täler und einen Morgen weiter. Der Wetterforecast hatte Sturm vorausgesagt und das Budget war bei unseren Träumen ins Stottern geraten, so dass ich nun alleine hier im Hobbykeller der Dame mit Herz aber ohne Schalkragen. Stattdessen trägt sie Boa ohne Phillip und nennt ihren Keller einen Club, in dem sie Stehlampen und Stühle verkauft und georgische Herzen.

Ich vermisse das Stroboskop fast so sehr wie dich, mich zu bergen vor Unbill und Nesseln, in die ich mich allzu gern setze, den Nebel, der jeden Berg zum Gipfel macht und jedes Lächeln zur heiss ersehnten Sonne. Das Farbmeer um uns bringt das Grau in mir zum Leuchten, blendet so sehr, dass ich meinen Blick spontan rausschicke, auf die andere Strassenseite rüber, uns zu beobachten: mich und die Frau und die Farben und dich irgendwo im Nebel zwischen Küste und dem #emptychair-Projekt, das spontan Saison hat, 15 Stufen hinter dem was landläufig Charlottenburg.

“Hasch mich!” spielt draußen der Frühling, während oben die Diva ihre Stimmbänder tanzen lässt, obwohl die Tanzfläche noch nicht eröffnet und ich plötzlich Sehnsucht nach Feierabend und einem Tässchen Tee. “Scharade!”nutzt die Dame des Hauses gekonnt die Stille zwischen zwei Noten und wirft ein Stichwort, dem meine Aufmerksamkeit nicht widerstehen kann, Audrey Hepburn und Cary Grant im Schlepptau. Also doch tanzen, heute abend, die Nacht durch und morgen früh barfuß im Gras, wenn der Frühling sich einen Ruck gibt. Sonst eben downstairs!