Gelüste

bevor die woche sich wendet

mit dem tag die wünsche ausatmen, die ich mir morgens in den spiegel gehängt hatte, die nicht hängen bleiben wollten, nicht leuchten und die ich erst an den rocksaum gepinnt und dann für die fahrradtour unter den linken lungenflügel gepackt hatte: einmal tief einatmen, kopf in den nack und einmal schnell schieflegen reicht meistens, es sei denn, es handelt sich um lebensträume, dann ist atemtechnik trumpf.

mit dem ausatmen die sicht auf wimpern und müde blicke freigeben und die strähne, die schon heute früh nicht über los und schon gar nicht hinters ohr wollte. ein letztes mal lächeln, bevor die woche sich wendet, das ende zum anfang wird und der montagg sein haupt hebt, uns ins nächste siebentagerennen zu nicken, wie nur er es kann, den dienstag auf dem schoss und den rücken in sonntagslaune.

du lachst noch im schlaf, das kissen beben machend und der haut um deine mundwinkel diesen einen schnörkel abtrotzend, den ich heimlich in meinen traum entführe, als rune und wegweiser zugleich, meinen lippen den pfad der untugend weisend, zielsicher bis zum znüni.

Gelage

Vokabeldichte, ungeschwefelt

Und dann doch wieder der Süße die Kraft entzogen, versuchsweise, wieder und wieder. Schuss für Schuss die Lider gehoben und die Wimpern beseelt, nur um dann einem neuen Hohlraum gegenüber zu stehen. Jenseits des High Noon mein Bündel geschnürt und die Pedale gen Westen getreten, die trockene Stulle im linken Mundwinkel festfrieren lassend — Durst as Durst can, aber auch der kann neuerdings warten.

Dem Busfahrer erst noch beim dritten Überholmanöver ein Lächeln geschenkt und an der nächsten Kreuzung lustlos: geschnitten. Ankommen, drei Stapel Blätter geschichtet, umgeschichtet, zur Spätschicht verdonnert und wortlos die Grafik zur Übernahme verdonnert. Vier sind mindestens einer zu viel, wir wissen es alle, wie wir wissen, dass Worte fehlen, Worte und Zungen, Finger auch. Reibungskräfte hingegen schwelen unterirdisch, die Borke hält. Selbst Milch ist keine Lösung mehr.

Das Logo geritzt, ja lorbeerumkranzt in die Tischplatte gestampft, in die Wildledersohle des besuchenden Ölscheichs, ins Petit Four auf dem verwaisten Frühstücksteller im Büro nebenan. Azetone ins Telefon atmend, unwiderstehliche Angebote verkündet mit fremder Stimme und irrwitzigem Aberglauben, suppenkellenweise in der Ellbeuge. Dem Praktikanten das Mittagessen geneidet, der Kollegin ihre Zukunft, dem Chef den schieren Mut. Drei Hallelujas später einen erneuten Blick aufs Display gewagt und prompt bereut. Statt ins Bett zu Mister Aufziehvogel in den Brunnen gestiegen: Im Vokabelheft erste Zweifel am körpereigenen hydraulischen Potential notiert und im Affekt eine Normalnull jenseits aller Spiegelebenen entworfen.

Bisweilen aber weint auch mein Bauch, bis das an den Nabel gehaltene Ohr einen abwärts rinnenden Bach zu vernehmen meint. Dann kräuselt sich die Magendecke unter Schluchzern, und die frisch trainierten Flanken zittern. Und da, wo der Bauch ins Bein übergeht bilden sich blaue Flecken, die auch nach Wochen noch zu sehen sind und zuweilen zwar irgendwann verblassen, aber als Verhärtung trockene Spuren lassen. Spuren, die du lesen lernst, Fingerabdruck für Fingerabdruck, Nachtschicht für Nachtschicht, proof für proof, Du magst es herbe wie ich.