
Stadtrand & Notizen
Dreckiges Tanzen

Ja, es gewittert häufig in diesen Tagen. Viel. Und nass. Und laut. Und nicht erst seit diesem Sommer macht mich ein anstehendes Gewitter entsetzlich müde, einsetzendes Gewitter rollig, und nach dem Gewitter, wenn die Luft im besten Falle klar und kühl, kommt der große Hunger. Gestern aber gelüstete es mich bereits vor dem Gewitter nach Champagner, in hohe dünne Gläsern gefüllt und mit Oliven anbei, dann kam der Appetit, und mit Einsetzen des Regens wollte ich nichts als tanzen.
Da war es gut, dass das Lokal, in dem wir speisten nicht nur Champagner feilbot sondern auch Ausblick auf die Stadt und das Gewitter und den Regen, der auf sie niederging aus Wolken, so stürmisch als wären sie gemalt. Meine Müdigkeit verflog noch während der Vorspeise (Melonencarpaccio!), die Blitze kreischten uns zeitgleich mit dem Hauptgang (Risotto mit Jacobsmuscheln) um die Ohren, elektrisierten die Dächer der Umgebung und ließen mich ein ums andere mal hinter meinem dickwandigen Teller zusammenzucken. Das Risotto tröstet nur halbwegs. Aber während wir uns dem abschließenden Espresso widmeten ging das Gewitter in einen gütigen Sommerregen über, mit prallen, lasziven Tropfen, die auf dem Pflaster lustvoll zerplatzten.
Nichts hielt mich, nicht die Praline auf der Untertasse, nicht die Rechnung, nichtmal du neben mir. Es zog mich raus auf diese Straße, in der die Straßenbahn gen Mitte schwamm, über die Bordsteinkante, die gerade sprudelnd zu versinken drohte, mit rudernden Armen, das Gesicht gen Regen und mit jedem Tropfen, der meine Haut berührte, ging der trommelnde Rhythmus in meine Beine über, Schlamm hin oder her. Aus den Augenwinkeln sah ich dich noch den Kopf schüttelnd in der offenen Tür stehen, die Lippen gespitzt.