Gelage

Bodenständig: Berlin-Basel

Als ich losfuhr, war ich mir sicher, ich würde nie ankommen. Nicht in Dessau, nicht in Heldrungen, nicht in Craula oder Kerspenhausen, nicht in Altenstadt, Germsheim oder Speyer und schon gar nicht in Basel.

Aber dank nährstoffreicher Verpflegung und liebevoll geführten Unterkünften, einem größtenteils gnädigen Wettergott und nicht zuletzt einem gewichtigen Topf Pferdesalbe im übersichtlichen Gepäck, ließ sich Deutschland kreuzen.

Die Sonnenuntergänge wurden intensiver, je mehr das Zepter des Regengottes die Wettergewalt unter ihre Fittiche nahm.

Und ja, in ganz schwachen Momenten wünschte ich mir vier solcher Räder samt Schneckenhaus unter und um meinen Sattel herum.

(filed under: Erinnerungen an den letzten Sonnenbrand)

Gelüste

Antipasti in Erdtönen

Manchen Weg meistert man am Besten zu Fuß.

Halmhohes Wurzelwerk unter der Sohle beruhigt den Herzschlag auf das Nötigste. Matsch, so weit das Auge reicht, nur in den schärfsten Kurven notdürftig Rindenmulch. Der Stadt entkommen. Aufatmen. Dem Auge einen Fokus suchen, dem Herz ein Ziel, der Ferse den nächsten Halt. Knietief im Nichtsdestotrotz. (ankommen)

Spüren, wie sich winzige Wassertröpfchen zwischen die locker geflochtenen Strähnen schmiegen, Pore für Pore nähren, die Schleimhäute wiederbeleben. Feuchtigkeit satt und nicht eine Menschenseele in Sicht. Raum für Atemzüge und Schrittweiten über der Norm. Raum auch, den Liedzeilen im Kopf eine Stimme zu geben. (weich werden)

Keine Spuren, kein Zurück. Dafür Augenblick für Augenblick genüsslich auf eine Gabel gespießt. Sichtachsen, als Appetithappen drapiert in lasziv transpirierende Stillleben. Licht nur um Silhouetten erahnen und Schatten zeichnen zu können. Zuweilen: ein großzügiger Streich leuchtendes Gelb inmitten sahnigen Brauns. (eintauchen)