Gestern

gehaucht nicht gerührt

Eben noch den Russen um die Ecke gebracht, den Schweizer immerhin bis zur Straße. Dann endlich Frühstück, das wenn schon nicht sättigend, so doch wenigstens ästhetisierend. Ein Rumtopf am Morgen etc. Man ahnt stande pedes den Tag, der da folgen soll, noch weit vor dem eifrig blinzelnd bestrittenen Morgen, wäre da nicht F.
F wie Frühsport samt Sammelumkleide mit 1 Euro-Spind, Ü-62-Wassergymnastik zu Udo Jürgens und Strom für Nicht-Metaller (entspannend, schmerzlindernd oder kräftigend). Nicht zuletzt 2 Stunden SagG, Schwitzen an gewichtigen Geräten: wenn, dann Rinnsale.

Dann lange nichts inmitten wälderweise Schweigen.

Wenn nichts mehr hilft, einfach mal die Socken lockern, rät der grinsende Mann von gegenüber und wedelt herausfordernd mit einem Bündel Actionfilme. Aber Lockerheit und fremdes Leben ziehen nicht, schon gar nicht Actionheldenleben. Zumindest nicht auf die Beine. Es geht um kleinste Schritte Lebendigkeit, so schwer die auch mit Siebenmeilenstiefeln fallen mögen. Um Horizontschnipsel zwischen Bikinilinie und Tokelau, um zu füllende Stiefelspitzen und zu leerende Tränensäcke. Um Fingerspitzengefühl statt Frostbeulen und laszive Lust auf das stets ausstehende Morgen.

Zwischen dieses Morgen und das angestaubte Gestern gilt es ein Heute zu schieben. Darin: Brot backen, die nächste Woche kommt bestimmt.

Gesuche

Out of Leidenschaft

Vor dem Fenster ein Gelb, das bis in die Zahnzwischenräume fühlbar. Die von Natur aus larmoyant veranlagte Sehnsucht nach Distanz mache dieser Tage das Miteinander mal wieder schwerer als nötig, flüstert ihm das Oktober-Horoskop betont beiläufig in den Morgenkaffee. Das hierdurch ad hoc hervorgerufene Hüsteln birgt nebst inwendigem Gänsehäuten jede Menge Unsicherheit. Er beschließt kurzerhand, den Tag mit der Spiegelreflex vor dem eigenen Antlitz zu verbringen und niemandem zu erlauben, sich seinen Tränen in den Weg zu stellen. Es würde ihrer heute einige geben, Taschentücher en masse und abgelegene Pfade also Pflicht. Am Abend würde es Kürbissuppe zum Tatort geben, Briefkasten und Telefon waren außer Gefecht gesetzt, man verfügte längst über ausreichend Routine.

Beim Ankleiden dann wollte der Haarschopf nicht unter den Hut, die Wade nicht unters Knie und das Lächeln nicht ins Gesicht passen. Die Schulter seufzend unter der Last der heruntergeschluckten Träume und als dann auch der erste Druckschmerz aufmuckte, kniete er, äußerlich bereits überreichlich derangiert, neben der Couch. Widerstand und sämtliche Pläne für den Tag getilgt, war der angeschlagene Hinterkopf binnen Sekunden auf das nächstgelegene Sofakissen gebettet. Nur die Ruhe wollte und wollte nicht einkehren, der Wille nicht zurück. Die Sehnsucht aber blieb, angeschmiegt an die Verzweiflung, der Leidenschaft diametral gegenüber, rastlos in der rechten Lidfalte eingenistet.