Geliebte

(S)Ein Hauch von Anis

“Nur Wörter mit 2 oder mehr Zeichen werden akzeptiert.” Also: “Wieviele Zeichen machen doch gleich ein Wort?” Auch: “Doch lieber ein Bild?”

Dank Heiserkeit ausreichend wortlos, macht er seinen Fersen Augen. Statt Flügeln. Ahmt die See nach, mal kommend, mal gehend, immer aber: wortlos mächtig, den Bauch zum Horizont hin dehnend. Die grobfaserige und darob liebgewonnene Reisetasche wurde mal wieder gepackt, mit zwei handbestickten Schultergurten auch großzügig bemessenen Streckenabschnitten gewachsen, in der Seitentasche vorsorglich der neue Biometrische, man weiß ja nie.

Auf den ersten fünfzehn Schritten mit drei Fragen konfrontiert, verlässt ihn der Mut. Vorzeitig, möchte man argwöhnen und schweigt einzig ob des vielsagenden Zitterns seiner weigelschen Augenbrauen, und widmet ihm statt einer Rüge ein Lächeln jenseits von Dosierungsanweisungen und Drittmittelverordnungen. Er wickelt den doppellagigen Schal einmal mehr um den inwändig wundgeröteten Hals, wirft Salbei nach, Anis und Kamille, und begibt sich zehenspitzend zurück ins Haus.

Man bleibt bildreich bestückt zurück und obgleich duftumlagert fröstelnd. Nicht ein Wort vermissend, nur ihn.

Gelüste

Im Angesicht der Kunst

Einen Kokon mir weben, innen ganz Kaschmir und außen Wunderkerzenfeuerwerk in Endlos-Schlaufe. Jetzt und sofort. Dabei hatte der Kommissar doch bereits im Vorspann ebenso kunstvoll wie vielversprechend mit seiner einzigen Zuschauerin geflirtet, hatte sich dann aber doch bis zum Abspann erfolgreich in Einsamkeit und Karriereabsichten geflüchtet.

Ein Widerspruch weniger, träumte er neulich beim samstäglichen Gladiolen auswählen so vor sich hin, stünde ihr gut zu Gesicht, dafür ein wenig mehr Meinung und kräftigere Farben. Die nachmittägliche Kunst blieb davon unbeeindruckt blass, erschreckend banal und nur in ihren Ausmaßen erschöpfend. Erst der Kaffee danach ließ also Knie und Lächeln weicher werden und drängte den Hunger um die entscheidenden Viertelstündchen in den Hintergrund.

Später dann, Feierabendgesängen jenseits des Alltäglichen lauschend, hören sich ihre Blicke wieder wie damals an: verführerisch unschuldig, zum Verlieben unverfroren und ohne jede Angst. Sein linkes Schulterblatt erinnert sich vor Vorfreude schauernd der ersten Begegnung ihrer Finger mit seiner Haut, dort wo die Haut sich flügelzurückdrängend spannt, dort wo ihrer linken Hand Ring- und Mittelfinger seiner gleichsam zaghaft und forsch habhaft wurden. Dort wo seitdem sein Rückenhaar sichtbar grau.