Gelage

Wuthering Heights

Die Nacht heraufbeschwören, bis fast unters Kinn, in ihrer schwülen Anhänglichkeit. Mit wiedergeschlossenen Lidern sich einschmiegen in ihren Atem, fröstelnd ihre ausladende Hüfte vermissen, die changierenden Hautpanoramen, das warmweiche Muldenspiel der Dämmerung. Das Beben über den Morgen hinaus noch subkutan bewahren, es geradezu nachlässig fadenscheinig dicht unter der Haut der Wadenbeine, des Oberbauches und dem Dekolleté durch die Morgenstunden tragen. Die Lippen zum Ausgleich stets leicht geöffnet halten.
Erst duschen, wenn der Poren aller rein gewaschen von Schweiß und Tau und die erste frühmorgendliche Gier nach kühlenden Wasserfluten mit purem Willen überwunden. Dem Nervenkitzel des nunmehr angebrochenen Tages mit schwerem Brot ein Schnippchen schlagen, Süßes und Salziges genussvoll Biss für Biss vermischen mit den noch auf am Gaumen haftenden Geschmacksknospen der nächtlichen Stunden. Den Fokus mit ausreichend Muße vom Butterfass auf die heute zu erklimmenden Herausforderungen schwenken, einen Laib Käse stets auf dem noch mittags vibrierenden Schoß.
Nach und nach auch den Worten Land bereiten, den bisher unsteten Blick auf Augenhöhe senken, wenn auch die zweite Kaffeetasse leer, das Haupthaar getrocknet. Pflichttermine meistern, Würde und Ruhe bewahren, die selbstgeknüpfte Reißleine für den Fall der Fälle stets griffbereit. Dem Tag ein, zwei Chancen geben, der Sonne nicht nur ausweichen, aber auch, und die nächste Dämmerung frühestens ab 16:45 Uhr herbeisehnen.

Gestik

Lass mich deine Winkelhalbierende sein

Mehr muss er gar nicht sagen, außer vielleicht noch, die Sache mit dem Weg zu erwähnen und dass Berlin nachts zu Fuß eines der schönsten ist. Eines der ausdrücklichsten.
Gestern hat er sich, quasi endgültig, vom Konjunktiv verabschiedet und beschlossen, von nun an weniger Geld zu verdienen ohne mehr auszugeben, die Hugo B.-Jeans, die seinem Hintern unverschämt schmeichelte, ausschliesslich Mittwochs zu tragen und Worte mit weniger als drei Silben nur mehr vor dem Frühstück auszusprechen. Die Angst vor der Waldwerdung schweigt er in Fetzen, raucht von nun an Milde Sorte. Ich fürchte um seinen Blick, unseren Dialog und fast am meisten um das Bild, das gerade ausradiert hässlich im Rahmen hängt. Ihm ist etwas Höhnisches anheim. Geradezu beißend höhnisch.

Dem Licht fehlt das Rot, das ihm verräterisch zähflüssig aus dem linken Mundwinkel tropft während sich mir die Kulinarik nicht nur des Alltags verwehrt, seit Wochen nun Algen schon, mal tränenreizend exotisch mal deftig als Bulette, immer aber grün. Wie ich es hasse, dieses Grün und dann auch noch: Nieselregen, Bindehautentzündung, die CPU voll ausgelastet.
Wir treffen uns selten nur mehr, mal cool, mal zärtlich, heute aber verstört, hungrig und kurz nach Mitternacht. Er trägt seine verwaschene Wildlederjacke, wir prüfen unsere Barschaft und votieren einstimmig für Pizza, neuberlinerisch Focaccia, und Cappuccino, extra heiß, extra scharf. Es gibt viel zu erzählen, noch mehr zu schweigen und jede Menge dieser klebrig wundervollen Sehnsucht, die nur nachts spürbar. 2 Stunden exklusiv, dann rufen Soundcheck und Nieselregen freundlich aber bestimmt den Abschied zum Zahlen.