Dass auch Läuse weinen steht nach dem gestrigen Abend außer Frage, ob süße oder salzige Tränen wird wohl noch erst nächste Woche geklärt. Kurz vor der Abzweigung in eine weitere Geschichte des Absurden, innehalten. Worthülsen abknallen, die Tarnkappe ab und den Hut aufsetzen. Von unter der Krempe der vieräugige Blick in den abendlichen feierwütigen Stadtwald:
Stadtrand & Notizen
Down by life
Er trägt Karamellhaarmäntel, seit Jahren. Zwei über jedem Schulterbein, den Kragen aufgestellt. Er schläft selten und meist im Sessel sitzend, die Mäntel locker gefaltet über den Knien. Er kennt seine Träume, au coeur seit Jahren und zur Sicherheit auf 17 Dollarnoten notiert und ins Mantelfutter gesteppt. Er liebt Dekolletés.
Bevor die Knie steifer und der Blick trüber wurden, war seine Ernährung streng ayurvedisch, aber das änderte sich mit den ihm nach und nach gewährten Einblicken in Knopfleisten und falsche Fuchskragen und den damit einhergehenden Gefühlswallungen. Er sparte sich Tränen und stieg relativ verlustfrei um auf salzlose Kost.
1994 hatte er das Sprechen eingestellt, nur Spinnen und anderen Achtbeinern gewährte er weiterhin Einblick in seine Gebilde, die kaum mehr als Worte denn als Raufasertränen formulierbar sind, und doch: Rudimente seiner einst prunkvollen Rhetorika. Für uns bleibt sein Bariton-Blick unter unsterblichen Augenbrauen, bleibt seine rostende Schulterpartie in zuckerfädrigem Mohair, bleibt sein silbenfreies Raunen. Raumfüllend.