Gelage

Palimpsest de Force au chocolat

Oder doch dem sehr ähnlich.

Du hattest fremde Löwenzahnblüten und grünohrige Brennesselrispen unter die Weinschaumsauce geschmuggelt, das sah ich an ihrem Zahnzwischenräume erlaubenden Lächeln, als sie, noch in keiner Sprache wieder heimisch, mir von der kurzzeitig paralisierenden Begegnung ihrer Lippen mit Deinem synästhetischen Ingwersirup undsoweiter berichtete. Hauptsächlich mit den Augen übrigens, nur bei Einleitung und Schluss griff sie in Ermangelung ausreichender Blickvarianten auf ihre, weiterhin an Espenlaub gemahnenden, Hände zurück.
Staunen mit jedem Tupfen gelauschter Spannung, auch indiziert aber von den Blättern schwarzen Tees, die konzentrisch in meiner unberührt gebliebenen Steinguttasse dümpeln, seit mehreren Viertelstunden bereits. Erst recht ablesbar an meinem Magenzwinkern, das bis dato gänzlich ignoriert wurde und in diesem Moment nur durch die Bilanz heischenden Fingerkuppen, stierhungrig auf jedes noch so ungeliebte Detail sich stürzend, ins Flackerlicht unserer Kerzen geschürzten Aufmerksamkeit geschubst wurde.
Dein häppchenweise in Worte gefasster Appetit, der Dich die Hefeklöße unwillkürlich ein, zwei Nummern größer hatte anlegen lassen; Deine zwischen Bordeaux- und Rosé-Tönen pendelnden Wangen, die ihre Zunge durstig zwischen den Lippen hervorschnellen hatte lassen; Deine, ihren Schluckreflex im Minutentakt auslösende, gleichzeitige Verquirlung von Blaubeerrisotti linkstöpfisch und Milchpartikeln zu schneeballfarbenen Schaumhauben für den abschließenden Schokospressino rechtstöpfisch, belegten die Identität des während unseres unter Mädels genossenen Jasmintees ohne Namen gebliebenen Kochs.

Gestik

Gottlobe hieß sie und sie sang Sopran*

 

Die Synapsen heute morgen etwas schärfer rasiert, so dass die Epidermis die fehlende Wärme der Veneninnenhaut nahezu überkompensiert. Frost sei keine Alternative, hüstelt er später beim Schuhe binden auch seiner Kniescheibe ins angespitzte linke Ohr, das zwischen zwei losen Fäden seiner Lieblingsjeans hervorragt. Die nickt vordergründig zustimmend, lacht ihr kehliges Lachen und träumt ihren allwinterlichen Traum vom Nerzmuff in lachsrosé, den nur die Wade kennt und stets um den passenden Schienbeinschoner erweitert.

Ein energischer Ruck des Kinns Richtung Bauchnabel verkürzt nicht nur den Hals optisch, ihn selbst macht es buttermilchlüsterne fünfzehn Jahre jünger, seine Mundwinkel weich, seine Oberschenkel kräftig. Ihm macht es den allzu lange bereits stiefmütterlich behandelten Magen bewusst, füllt seine Lungen im Reflex mit blattlosem Sturmluftgemisch, färbt seine Fingernägel solidarnoscrot, sperrt den Herbst zumindest für Sekunden aus. Ihn macht es die Augen schließen, um den Fischen, die scheintot auf Bordsteinkanten das Stehen auf einem Tanzbein üben, endlich die neuen Partituren zu entlocken.

 

 

Edit: *Die Muse diesen Beitrags